Ostwestfälische Wirtschaft

Herausgeberin
Industrie- und Handelskammer
Ostwestfalen zu Bielefeld

Verlag, Anzeigenvermarktung und Layout
durch amm GmbH & Co. KG



LogoEin Service der amm GmbH & Co. KG

Politik und Standort

Ostwestfalen weltweit

Für eine Vielzahl exportorientierter Unternehmen in Deutschland stellt die sichere Abwicklung von Zahlungen im Auslandsgeschäft ein zentrales Thema dar. Währungsrisiken, Zahlungsausfälle oder politische Unsicherheiten können zu finanziellen Verlusten führen. Umso wichtiger ist es, geeignete Instrumente zur Zahlungsabwicklung und -absicherung zu kennen und richtig einzusetzen. Der Markt bietet hier sowohl staatlich geförderte als auch privatwirtschaftliche Lösungen.

Bei der Vertragsgestaltung haben Unternehmen unterschiedliche Zahlungsvereinbarungen zur Verfügung. Die risikoärmste Variante für den Exporteur stellt die Vorkasse dar, bei der der Käufer vor Lieferung vollständig bezahlt. Diese Variante ist für den Importeur jedoch wenig attraktiv — das Risiko liegt hier klar auf seiner Seite. Am anderen Ende des Spektrums steht das sogenannte „Clean Payment“, also die offene Rechnung, bei der die Ware geliefert wird und die Zahlung später erfolgt. Diese Methode ist sehr kundenfreundlich, birgt aber ein hohes Risiko für den Lieferanten.

Dazwischen existieren eine Vielzahl von Instrumenten, mit denen sich Risiken auf beide Seiten besser verteilen lassen. Besonders verbreitet ist das Dokumentenakkreditiv (Letter of Credit, L/C), bei dem eine Bank die Zahlung garantiert, wenn bestimmte Dokumente — etwa über Versand und Wareninhalt — korrekt vorgelegt werden. Es handelt sich um ein rechtssicheres und bankgestütztes Verfahren, das weltweit etabliert ist, jedoch mit zusätzlichen Kosten und bürokratischem Aufwand verbunden ist.

Eine pragmatischere und kostengünstigere Alternative ist das Dokumenteninkasso. Die Bank übergibt dem Importeur die Lieferdokumente erst, wenn dieser gezahlt hat oder eine Zahlungszusage gegeben wurde. Zwar wird so eine gewisse Sicherheit hergestellt, das Risiko eines Zahlungsausfalls bleibt jedoch bestehen, da keine Garantie durch die Bank erfolgt.

Ein weiteres bedeutendes Instrument sind Bankgarantien — zum Beispiel An­zahlungs-, Erfüllungs- oder Gewährleistungsgarantien. Sie dienen als Absicherung für bestimmte Vertragspflichten. Für Exporteure bieten sie Schutz vor mangelhafter Leistung oder ausbleibender Zahlung und gelten international als verlässliche Sicherheit.

Für Unternehmen, die regelmäßig mit Zahlungsausfällen zu kämpfen haben oder schneller Liquidität benötigen, bieten sich moderne Finanzinstrumente wie Kreditversicherungen oder Factoring an. Letzteres ermöglicht es, Forderungen an spezialisierte Dienstleister zu verkaufen, um eine sofortige Liquidität zu erreichen. Der Dienstleister übernimmt dabei häufig auch das Debitorenmanagement und das Risiko eines Forderungsausfalls. Kreditversicherungen wiederum ermöglichen dem Unternehmen, sich gegen wirtschaftlich bedingte Zahlungsausfälle abzusichern — ein Modell, das vor allem bei großen Geschäftspartnern oder längeren Zahlungszielen sinnvoll ist.

Auch der Staat bietet mit Exportkreditgarantien des Bundes (sogenannten „Hermesdeckungen“) leistungsfähige In­stru­-­mente. Sie sichern vornehmlich politische Risiken, aber auch wirtschaftliche Risiken ab. In der Praxis werden diese Garantien oft bei Lieferungen in Schwellen- oder Entwicklungsländer eingesetzt oder bei Aufträgen mit langen Zahlungszielen. Die Bundesregierung hat das System zuletzt reformiert und erleichtert nun auch die Absicherung bei komplexen internationalen Wertschöpfungsketten. Zuständig ist die Euler Hermes Aktiengesellschaft als Mandatar des Bundes.

Ergänzend zur Zahlungssicherheit spielt das Währungsrisiko eine zunehmende Rolle. Vor allem bei Geschäften in US-Dollar, britischem Pfund oder anderen Nicht-Euro-Währungen können Wechselkursschwankungen Gewinne empfindlich schmälern. Abhilfe schaffen hier Devisentermingeschäfte, sogenannte Forwards, bei denen ein festgelegter Wechselkurs für einen zukünftigen Zeitpunkt vereinbart wird. Einige Banken bieten auch strukturierte Produkte an, die je nach Kurssituation Chancen und Risiken ausgleichen.

Insgesamt zeigt sich, dass eine sorgfältig gewählte Kombination aus geeigneten Zahlungsmodalitäten, Absicherungsinstrumenten und gegebenenfalls staat­licher Unterstützung ein wesentlicher Erfolgsfaktor im internationalen Geschäft ist.

 

     

Die aktuelle Ausgabe zum Durchblättern