Im Porträt
Die Event-Dirigenten
Die Gesichter hinter außergewöhnlichen Events, internationalen Award-Verleihungen oder feierlichen Jubiläen sind oft unsichtbar – doch bei Nicolai Maahs, Alexander Maahs und Benjamin Waldow lohnt sich der Blick hinter die Kulissen. Die drei jungen Gründer haben nicht nur das Familienunternehmen M. Regie in die nächste Ära geführt, sondern auch eine neue Heimat für ihre Vision gefunden: Porta Westfalica.
Sie selbst sind in der Veranstaltungsbranche aufgewachsen, bezeichnen sich als „Kinder des Events“ und haben schon in jungen Jahren geholfen — auf und hinter der Bühne, als „Runner“. Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück in die Welt des Tanzes und der Choreografie. Gegründet haben die M. Regie GmbH & Co. KG, so die genaue Firmenbezeichnung, Uwe Maahs und Martina Dieckmann. Beide kommen aus dem Tanz-, Model- und Choreografie-Bereich. „Die Gründung der Firma fußte auf einer langen Entwicklung im kreativen Bereich. So ist mein Vater unter anderem bei ‚Wetten, dass ...?‘ aufgetreten und hat verschiedene Choreografien bei Modelshows übernommen. Daraus ist Ende der 90er-Jahre schließlich die Eventregie-Firma mit Sitz in Eschweiler bei Aachen hervorgegangen“, erzählt Nicolai Maahs. Seit dem 1. Januar 2024 führt der 29-Jährige nun mit seinem Cousin Alexander Maahs (37) und Benjamin Waldow (32) das Unternehmen als Gesellschafter und Geschäftsführer fort. Alle drei waren zuvor bereits als Einzelplayer und Freelancer für die M. Regie tätig.
PIONIERE DER EVENTREGIE
„Uwe Maahs und Martina Dieckmann sind Pioniere der Eventregie in Europa, vielleicht auch weltweit“, sagt Waldow selbstbewusst. Der studierte Politologe ist schon lange mit der Familie Maahs verbandelt — sein Vater und Uwe Maahs haben sich einst im Studentenwohnheim kennengelernt, zudem waren beide Gesellschafter des „Bewegungstheaters Mobilé“. Auch Nicolai hat Politik studiert, Alexander hingegen eine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann in Hannover absolviert, bevor er nach Stationen in der Kommunikationsabteilung eines Konzerns den Weg in die Selbstständigkeit wagte. Inzwischen lebt der junge Vater mit seiner Frau in Porta Westfalica — dem neuen Firmensitz.
VON AACHEN NACH PORTA
Warum das Trio den offiziellen Sitz nach Ostwestfalen verlagert hat? „Die Region ist bekannt für die hohe Dichte an Hidden Champions, daher sehen wir hier viel Potenzial. Wir möchten uns in dieser wirtschaftsstarken Region vernetzen, wachsen und näher an wichtigen Partnern sein“, erklärt Waldow. Ein strategischer Schritt, obwohl das Geschäftsmodell dezentral aufgebaut ist. Für einige der größeren Player wie Oetker, Miele oder Bertelsmann war M. Regie bereits tätig. Das Kerngeschäft der drei Unternehmensnachfolger liegt in der Konzeption, Inszenierung und Durchführung von Bühnenshows: „Das heißt die Koordination zwischen Technik, Kunde und zu präsentierendem Inhalt. Das kann live passieren, hybrid oder beim Streaming“, erklärt Nicolai Maahs. Dabei fungiere M. Regie nur als Dienstleister; die notwendige Technik und das Equipment würden extern dazu gebucht. Mal dauere die Planung einer Show nur zwei Wochen, manchmal könne auch sechs bis zehn Monate Arbeit dahinterstecken.
PERMANENTE WEITERENTWICKLUNG
„Unser Job lebt von permanenter Weiterentwicklung, als Ausbildungsberuf gibt es diesen nicht. Wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst und lernen mit jedem Event und jedem neuen Kunden dazu“, erklärt Waldow. Zum Portfolio der Eventregisseure gehören unter anderem kleine und große Veranstaltungen, Firmenjubiläen, Produktvorstellungen, Messeshows oder Mitarbeiterevents. Die meisten dieser Shows sind Uraufführungen, ein bisheriges Highlight der Unternehmensgeschichte war das Stagemanagement beim Champions-League-Finale 2025 in München. „Wir sehen uns als Dirigenten, die Kunden jedoch geben die Partitur vor, aus der wir Melodien machen“, beschreibt Waldow die Herangehensweise. „Wir verkaufen nur die Dienstleistung und sind dabei für die inhaltliche und technische Ablaufregie einer Show verantwortlich. Wir können auf ein großes Netzwerk von Freelancern wie Kameraleuten oder Moderatoren zurückgreifen und sind so in der Lage, auch mehrere Events parallel zu betreuen“, ergänzt Nicolai Maahs.
JEDER BRINGT EIGENE STÄRKEN EIN
Dass die Firmenübernahme auch Mut erfordert, verschweigen die Jungunternehmer nicht: „Ich schätze unsere offene Kommunikation, wir diskutieren regelmäßig über Themen wie Finanzen, Nachhaltigkeit oder Pläne für die Zukunft. Unternehmertum birgt auch immer eine gewisse Unsicherheit“, sagt Nicolai Maahs. Profitieren würden sie davon, dass alle im Team alles können. Für die Kunden bedeuteten drei unterschiedliche Charaktere einen Mehrwert. Jeder habe seine eigenen Stärken: „Benny bringt beispielsweise von Theaterstücken oder Konzerten, die er privat besucht, Inspirationen mit. Wenn er sagt, er muss über etwas nachdenken, hat er es längst getan“, sagt Nicolai und lacht. Sein Cousin Alexander stehe für Klarheit, Stringenz und eine hohe Professionalität. An Nicolai, dem jüngsten im Bunde, schätzen seine Kollegen vor allem seine Flexibilität.
MENSCHLICHE MOMENTE
Der Live-Charakter der Shows verlange höchste Konzentration, schnelle Entscheidungen und ein eingespieltes Team — ein reibungsloses Event stehe und falle damit, ob sich Regie und Stagemanagement blind vertrauen und sich „grün seien“. Während die Regie im Frontbereich das große Ganze steuere, sorge das Stagemanagement im Backstage-Bereich für die direkte Betreuung der Akteure; die inhaltliche Hoheit bleibe jedoch stets beim Kunden. Mit Fehlern geht das Team gelassen um: „Pannen können sogar charmante menschliche Moment bescheren, sofern man Feingefühl für das Format beweist. Denn während Lockerheit oft passt, wird bei DAX-Konzernen ein Patzer schnell als Schwäche gewertet“, beschreibt Waldow die Anforderungen mit Druck umzugehen. „Denn die Show wird beginnen, egal was passiert. Man benötigt die volle Übersicht über das Bühnengeschehen, doch im Fokus steht immer, das beste Erlebnis für den Kunden zu schaffen“, ergänzt Nicolai.
Vorgenommen hat sich das Trio, eigene Ideen einzubringen, für frischen Wind zu sorgen und die jahrelang gewachsenen Kontakte mit dem eigenen Netzwerk zu verknüpfen. So nimmt das Thema Nachhaltigkeit einen höheren Stellenwert ein: „Veranstaltungen haben einen nicht gerade geringen Anteil an CO₂-Emmissionen. An dieser Stelle gibt es viel Verbesserungspotenzial, weshalb wir versuchen, Ideen und Möglichkeiten zu entwickeln, die unseren Energieverbrauch senken“, betont Nicolai.
Was alle drei an ihrer Tätigkeit schätzen: „Wir schaffen Erlebnisse, sind Impulsgeber für Emotionen und es gibt vieles, das sich nicht nach Arbeit anfühlt. Für diesen spannenden und herausfordernden Job sind wir dankbar. Er beschert Glücksmomente und bringt Menschen zusammen.“
Silke Goller



