Fachthema
Working Capital – Gebundenes Geld in unternehmerische Freiheit verwandeln
Warum ist am Ende des Monats das Konto immer wieder leer — obwohl die Auftragslage bestens ist?“
Diese Frage treibt viele Unternehmer um. Der Gewinn stimmt, die Kunden sind zufrieden — und trotzdem reicht die Liquidität kaum bis zum Monatsende. Der Grund liegt oft im Working Capital — einer Kennzahl, die zeigt, wie viel Geld im laufenden Geschäft gebunden oder verfügbar ist.
Das Working Capital berechnet sich einfach: Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten. Praktisch heißt das: Wie viel Geld steckt in Lager und offenen Rechnungen — abzüglich dessen, was kurzfristig finanziert wird?
Stellen Sie sich Ihr Working Capital wie einen Stausee vor: Ist er voll und fließt zu wenig ab, steht das Wasser – und Ihre Liquidität steht still.
Liegt das Working Capital nämlich im Plus (= voller Stausee), steckt viel Geld in Vorräten und Forderungen. Das signalisiert Sicherheit, kann aber eine Wachstumsbremse sein. Liegt es im Minus, kann dies auf eine effiziente Nutzung von Lieferantenkrediten hinweisen, aber auch das Risiko von Zahlungsengpässen und verschlechterten Lieferantenbeziehungen bergen.
Die Kunst besteht darin, das Mittelmaß zu finden: genügend Umlaufvermögen, um handlungsfähig zu bleiben, aber nicht so viel, dass Liquidität in Lager und offenen Rechnungen festhängt. Durch Transparenz im Working Capital kann man dieses Ziel erreichen. Praktisch bedeutet das: kürzere Durchlaufzeiten, Optimierung von Zahlungszielen und geringere Lagerbestände — ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden. Ein kontinuierliches Controlling des Working Capital schafft Liquidität, Krisenfestigkeit und Finanzierungsspielraum, oft ohne einen Euro mehr Umsatz.
Man könnte sagen: Wer sein Working Capital im Griff hat, verwandelt gebundenes Geld in unternehmerische Freiheit.
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