Ostwestfälische Wirtschaft

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Standpunkt

Weichenstellungen für Wachstum

Ostwestfalens Wirtschaft stemmt sich gegen die Krise: Die Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage unserer IHK zeigen erste Signale einer Stabilisierung — aber von Aufbruch kann noch keine Rede sein. Während viele Dienstleistungsbranchen Halt geben, bleibt der industrielle Kern unserer Region unter Druck, und weite Teile des Handels kämpfen mit Konsumzurückhaltung. Zugleich werfen neue Risiken, insbesondere die Folgen des Nahost-Konflikts für Energiepreise und Lieferketten, einen Schatten auf die Hoffnungsschimmer.

Dennoch lohnt der Blick auf die Details. Der aus Lage und Erwartungen ermittelte Konjunkturklimaindikator steigt erstmals seit vier Jahren wieder über die Marke von 100 Punkten. Das zeigt die Widerstandskraft unserer Wirtschaft. Vor allem größere Unternehmen, viele Dienstleistungsbranchen — und in Teilen der Handel — senden positive Signale. Das ist bemerkenswert, nachdem die Industrie auch 2025 erneut rückläufige Umsätze, schrumpfende Auftragslagen und hohe Kostenbelastungen verzeichnete — ein ernstes Warnsignal für eine industriell geprägte Region wie unsere.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bleibt stabil auf Rekordniveau — obwohl Industrie und Handel Personal abbauen mussten. Zuwächse gab es vor allem im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Doch wir dürfen die schleichende Deindustrialisierung nicht zu einem Dauerzustand werden lassen. Denn setzt sich die Phase zwischen Stagnation und Rezession weiter fort, drohen spürbare Wertschöpfungs- und Wohlstandsverluste.

Große Risiken liegen außerhalb des Einflussbereichs unserer Unternehmen: geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und eine sich rasch verändernde Handelspolitik wichtiger Partner. Dabei setzen viele Unternehmen auf stärkere Auslandsgeschäfte — doch genau dort sind die Unsicherheiten derzeit am größten.

Klar ist: Damit aus der fragilen Stabilisierung ein tragfähiger Aufschwung wird, braucht es jetzt wirtschaftspolitische Impulse und verlässliche Rahmenbedingungen. Es geht um Stellschrauben, die politisch auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene beeinflussbar sind und über unsere wirtschaftliche Entwicklung entscheiden.

Jetzt gilt es, Ostwestfalen und Deutschland als wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte zu stärken: durch niedrigere Energie- und Arbeitskosten, entschlossene Reformen der Sozialsysteme, spürbar weniger Bürokratie sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Nur mit verlässlichen Entscheidungen entsteht die Planungssicherheit, die Unternehmen zum Investieren brauchen. Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus. Damit aus ersten Erholungssignalen wieder Wachstum werden kann, braucht unsere Wirtschaft jetzt Klarheit, Mut zu Entscheidungen — und eine Politik, die Weichen für eine starke wirtschaftliche Zukunft stellt.

     

„Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus.“

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