Ostwestfälische Wirtschaft

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Titelthema

„Die Bedeutung als Vorleistungslieferregion wird künftig steigen“

Herr Stoffels, die Wachstumsmärkte der ASEAN-Staaten stehen immer stärker im Fokus der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Für welche Branchen ergeben sich dort aktuell die besten Chancen und welchen Herausforderungen stehen diese insbesondere mittelständischen Unternehmen gegenüber?

Die ASEAN-Staaten sind für NRW-Unternehmen aktuell vor allem als Beschaffungsmarkt interessant, beispielsweise für Elektrotechnik, chemische Erzeugnisse sowie Textil und Bekleidung. Die Bedeutung als Vorleistungslieferregion wird künftig steigen. Das zeigt eine aktuelle Studie von IHK NRW. Auch als Absatzmarkt hat ASEAN viel zu bieten. Gefragt sind vor allem Maschinen, Elektrotechnik, Metallwaren sowie chemische Produkte.
Trotz der wirtschaftlichen Dynamik der Region gibt es an einigen Stellen Aufhol- und Modernisierungsbedarf. Außerdem ist der ASEAN-Wirtschaftsraum fragmentiert, insbesondere mit Blick auf den Entwicklungsstand und die heterogene Außenhandelspolitik.
Natürlich ist die Region Zielmarkt für weitere Länder, so auch China. Deutsche Unternehmen stehen daher im Wettbewerb zu Zulieferern oder Investoren aus diesen Ländern. Festhalten möchte ich dennoch, dass die Region durch starke Wachstumsraten und die Nachfrage an innovativen deutschen Industrieprodukten und -lösungen attraktiv für NRW bleibt.

Marktkenntnisse und starke Netzwerke sind gefragt. Welche Unterstützung bietet die nordrhein-westfälische IHK-Organisation interessierten Unternehmen?

Die Industrie- und Handelskammern in NRW sind in der Region erste Anlaufstelle und Berater für Unternehmen, die ihr Engagement auf den Auslandsmärkten auf- oder ausbauen wollen. Sie beraten zu Zoll- und Außenwirtschaftsrecht und informieren zu Ländern und Märkten. Dabei arbeiten die IHKs eng mit dem Netzwerk der Auslandshandelskammern zusammen, die über die entsprechende Marktkenntnis und Geschäftskontakte verfügen. Der ASEAN-Summit ist ein gutes Beispiel für den ganzheitlichen Service, den die Organisation den Unternehmen bietet.

Sie sind mit Ihrem eigenen Unternehmen in Asien aktiv. Welche Empfehlung geben Sie mittelständischen Unternehmen, um sich bereits heute zukunftsorientiert und wettbewerbssicher in Südostasien aufzustellen?

Ein erfolgreiches, sicheres Auslandsgeschäft steht immer auf mehreren Beinen – Diversifizierung lautet das Stichwort. Gute wirtschaftliche Beziehungen zu gleich mehreren Ländern in der Region können die eigene Position und die Wettbewerbssicherheit stärken. Grundsätzlich bietet Südostasien noch viel mehr als nur Diversifizierung.
Wer dort investieren möchte, hat sicher gute Chancen in den Sektoren, in denen deutsche Unternehmen als Lösungsanbieter auftreten können: digitale Technologien, grüne Energie, moderne Fertigungstechnik, Bauwesen und Gesundheitswesen.
Der Gang nach Asien ist für einen Mittelständler ohne großes Projekt-Team auf jeden Fall sehr herausfordernd und Bedarf eines langen Atems, vor allem aber höchster Flexibilität wegen der unglaublich hohen Entwicklungsgeschwindigkeit und der großen Volatilität der Märkte. Wir sind in China heute völlig anders aufgestellt als wir ursprünglich geplant hatten und müssen uns angesichts dieser Dynamik ständig wieder neu erfinden, ändern und anpassen.

 

Ines Ratajczak, IHK

     

ZUR PERSON

Ralf Stoffels ist geschäftsführender Gesellschafter der BIW Isolierstoffe GmbH in Ennepetal. Stoffels ist zudem seit 2016 Präsident der Südwestfälischen IHK zu Hagen und seit Januar 2021 Präsident von IHK NRW. Dem DIHK-Präsidium gehört der Unternehmer als Vizepräsident ebenfalls seit 2021 an.

 

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