Ostwestfälische Wirtschaft

Herausgeberin
Industrie- und Handelskammer
Ostwestfalen zu Bielefeld

Verlag, Anzeigenvermarktung und Layout
durch amm GmbH & Co. KG



LogoEin Service der amm GmbH & Co. KG

Titelthema

Grußwort

Ich möchte der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld meine Anerkennung dafür aussprechen, dass sie die internationale Reihe „Ostwestfalen meets …“ seit nunmehr über zwei Jahrzehnten mit großem Engagement fortführt. Es freut mich besonders, dass die 21. Ausgabe vom 9. bis 11. Juni 2026 erneut Lateinamerika in den Mittelpunkt stellt. Veranstaltungen dieser Art sind von unschätzbarem Wert, um konkrete Verbindungen zwischen Unternehmen, politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern sowie weiteren Akteuren und Akteurinnen zu schaffen und der Zusammenarbeit zwischen unseren Regionen neue Impulse zu verleihen.

Wir leben in einem zunehmend fragmentierten internationalen Umfeld. Die geopolitischen Risiken wachsen, und die Stabilität globaler Lieferketten steht zunehmend in Frage. Brasilien hält unverändert an Dialog, Diplomatie und der Diversifizierung seiner Partnerschaften fest, um unter diesen schwierigen Bedingungen zu bestehen und wirtschaftliche Resilienz aufzubauen. Wie Deutschland hat auch Brasilien erkannt, dass es entscheidend ist, industrielle Kapazitäten und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies setzt Partnerschaften voraus — und erfordert ein Denken jenseits von „Business as usual“.

Brasilien und Deutschland stehen einander bereits sehr nahe. Beleg unserer starken Allianz ist das bilaterale Handelsvolumen, das im Jahr 2025 die Marke von 21 Milliarden US-Dollar überstieg. Gleichzeitig ist Deutschland mit einem Investitionsbestand von über 44 Milliarden US-Dollar weiterhin ein bedeutender Investor in Brasilien. Gleichwohl gibt es Spielraum für weiteres Wachstum und vertiefte Zusammenarbeit.

Die Stärke unserer Partnerschaft wurde zuletzt im April eindrucksvoll belegt, als Brasilien Partnerland der Hannover Messe 2026 war. Der gemeinsame Auftritt von Präsident Lula und Bundeskanzler Friedrich Merz sowie zahlreicher weiterer hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft hat gezeigt, dass die Verbindungen zwischen unseren Volkswirtschaften nicht nur von langer Tradition und Verlässlichkeit geprägt sind, sondern sich kontinuierlich intensivieren.

Um unsere ambitionierten industriellen und nachhaltigen Ziele voranzutreiben, bedarf es eines soliden Rahmens. Die vorläufige Anwendung des MERCOSUR-EU-Abkommens ab dem 1. Mai ist ein bedeutender Schritt auf unserem gemeinsamen Weg zu Diversifizierung und Resilienz. Dieses Abkommen bietet der europäischen Industrie enorme Chancen: Brasilien wird bis 2040 zusätzlich Industrieerzeugnisse aus Europa im Wert von acht Milliarden Euro importieren — vor allem Maschinen und Anlagen. Der Einfuhrzoll auf Maschinen sinkt von durchschnittlich 11,6 Prozent auf 0,8 Prozent, was die gesamte Fertigungskette erheblich entlastet. Auch die brasilianische Industrie und andere Bereiche werden von dieser neuen Dynamik profitieren.

Einen entscheidenden Vorteil bietet uns dabei unser Engagement für nachhaltige Entwicklung: Fast 90 Prozent des brasilianischen Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen. Mit reichlich sauberer Energie und Rohstoffen, einer diversifizierten Industrielandschaft und qualifizierten Fachkräften ist Brasilien hervorragend positioniert, um gemeinsam mit Deutschland energieintensive Industrien zu dekarbonisieren. Bereiche wie Metallurgie, Zement und Chemie würden direkt von einer Verflechtung ihrer Wertschöpfungsketten mit Brasilien profitieren.

Brasilien strebt danach, sich als Plattform für Direktinvestitionen in grüne Technologien und nachhaltige Industrie zu etablieren. Deutsche Unternehmen sind mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Verbindung modernster Technologie mit lokaler Produktion bestens aufgestellt, von diesem neuen Rahmen zu profitieren.

Initiativen wie „Ostwestfalen meets Latin America“ helfen uns zu verstehen, wie Brasilien und Deutschland ihre Komplementarität voll ausschöpfen können — im Sinne einer echten Win-win-Situation für beide Gesellschaften. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen erfolgreichen und fruchtbaren Gedankenaustausch führen werden.

     

Die aktuelle Ausgabe zum Durchblättern