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Ausbildungsökosystem mitgestalten

Wer in Lateinamerika investiert, benötigt auch vor Ort qualifizierte Fachkräfte. Der klassische Weg der Personalsuche führt über lokale Recruiter, LinkedIn, regionale Jobbörsen oder über Netzwerke der Außenhandelskammern. Doch diese Instrumente allein reichen nicht aus. Entscheidend ist auch ein fundiertes Verständnis der lokalen Arbeitsmärkte.

Während strukturelle Defizite im Bildungsbereich in den einzelnen Ländern Lateinamerikas zwar unterschiedlich stark ausgeprägt sind, liegt die Quote informeller Beschäftigung in der gesamten Region bei über 55 Prozent. Das bedeutet: Ein großer Teil der potenziellen Arbeitskräfte steht dem formellen Arbeitsmarkt nur eingeschränkt zur Verfügung oder bringt nicht die erforderlichen Qualifikationen mit (OECD, Latin American Economic Outlook, 2025).

Mismatch zwischen Bildungsbedarf und -angebot

Ein zentrales Strukturmerkmal der Arbeitsmärkte in Lateinamerika ist ein „Mismatch“ zwischen Qualifikationsangebot und -bedarf. Zum einen mangelt es an hochqualifizierten Fachkräften und Spezialisten. Deshalb wird um sie in einem intensiven internationalen Wettbewerb geworben, vor allem auch innerhalb des amerikanischen Kontinents. Zum anderen haben auf dem formellen Arbeitsmarkt rund 20 Prozent der gewerblich Beschäftigten gar keinen formalen Abschluss. Vor diesem Hintergrund sind Investitionen in Aus-, Fort- und Weiterbildung mit Fokus auf „Future Skills“ entscheidend für die Fachkräftegewinnung.

Partner für Bildung und Qualifizierung

Lateinamerika verfügt über eine wachsende Zahl leistungsfähiger Hochschulen. Im Times Higher Education (2026) Ranking sind über 200 Hochschulen als Elite-Universitäten gelistet. Staatliche wie private Universitäten haben ihre Studiengänge zunehmend internationalisiert, kooperieren mit ausländischen Forschungseinrichtungen und fördern interkulturelle sowie berufs- und zukunftsorientierte Kompetenzen. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und lateinamerikanischen Hochschulen umfasst beispielsweise über 2.300 Kooperationen (Auswärtiges Amt, 2019), über die Unternehmen mit Talenten in Kontakt treten können.

Parallel dazu wurden über die vergangenen Jahrzehnte in Zusammenarbeit mit deutschen Partnern in mehreren Ländern duale oder dualähnliche Modelle entwickelt und eingeführt — von vollständigen Ausbildungsgängen bis hin zu kompakten, praxisorientierten Trainingsprogrammen. Allerdings sind sie häufig projektbasiert initiiert und partnerschaftsgetrieben, etwa in branchenspezifischen Kooperationen zwischen AHK, Staat und deutschen Unternehmen vor Ort. Eine flächendeckende und gesetzlich verankerte Umsetzung bleibt jedoch eine Herausforderung. Gründe dafür sind unter anderem fehlende verbindliche Beteiligungsstrukturen der lokalen Wirtschaft, unzureichende rechtliche Rahmenbedingungen sowie ein Mangel an qualifizierten Ausbildern.

Fachkräfteentwicklung für den Wettbewerb

Deutsche Unternehmen können in Lateinamerika dann ihre Mitarbeiter dauerhaft gewinnen, wenn sie sich als Partner für eine nachhaltige Arbeitsmarktentwicklung, das heißt als Teil des Ausbildungsökosystems verstehen. Indem sie Fachkräfte vor Ort ausbilden und weiterentwickeln, stärken sie nicht nur ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern tragen zugleich einen Beitrag zur Innovationsfähigkeit der lokalen Wirtschaft in einem stabilen leistungsfähigen Beschäftigungsmarkt bei.

Helga Grabbe, Honorarkonsulin der Vereinigten Mexikanischen Staaten in NRW

Kontakt: helga.grabbe@hueber-akademie.de

     

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