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Politik und Standort

„Risiken erkennen, Strukturen gestalten, konsequent handeln“

Cyberangriffe, fragile Lieferketten, geopolitische Spannungen und neue regulatorische Anforderungen stellen Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen. Wie Betriebe ihre Widerstands‑ und Anpassungsfähigkeit stärken können, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Betriebliche Resilienz: Vorsorge für den Fall der Fälle“. Dazu kamen in der IHK in Bielefeld rund 70 interessierte Unternehmensvertreter zusammen. „Unternehmen sollten Risiken frühzeitig erkennen, ihre Strukturen robust gestalten und dann konsequent handeln“, riet IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Ratke.

Henning Voß, Spezialist für Wirtschafts- und Geheimschutz beim NRW-Verfassungsschutz in Düsseldorf, erläuterte dabei hybride Bedrohungen wie Wirtschaftsspionage, Sabotageakte bis hin zu Cyberattacken. „87 Prozent der deutschen Unternehmen sind in den vergangenen zwölf Monaten davon betroffen gewesen“, rechnete Voß vor, der zudem auf aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen wie Bedrohungen durch Russland, China und Nordkorea einging. Aus diesen Ländern käme auch der Großteil der Ausspähungen. Den aktuellen finanziellen Schaden durch Datendiebstahl bezifferte Voß mit jährlich 289 Milliarden Euro in Deutschland, davon allein 56 Milliarden Euro in NRW.

Einen Resilienz-Check stellte Tobias Bock von der Handelskammer Hamburg vor. Er berichtete dabei über Möglichkeiten der betrieblichen Krisenvorsorge. „Wir sind noch nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden“, spielte Bock auf ein kürzliches Zitat von Bundeskanzler Friedrich Merz an. Mit dem vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe habe die Handelskammer Hamburg den Vorsorgeplan erarbeitet. Damit will man Betriebe motivieren, sich mit Krisenvorsorge zu beschäftigen. „Ohne Panikmache, aber Stromausfallszenarien etwa kann man auch in Firmen durchspielen und sozusagen proben“, nannte er ein konkretes Beispiel. 49 der bundesweit 79 IHKs stellten den Plan kostenlos zur Verfügung, so auch die IHK Ostwestfalen (www.ostwestfalen.ihk.de).

Auf entsprechende KI-Möglichkeiten gegen Angriffe ging Daniel Gal von der Gal Digital GmbH aus Hungen ein. Er betonte, Vorsorge sei Bestandteil moderner Unternehmensführung. Darüber hinaus erläuterte Ali Carl Gülerman, Cybersicherheits-Experte beim IT-Dienstleister ATD GmbH in Braunschweig, wie man als Dienstleister sogar von Cyberangriffen profitieren könne: Indem man als Firma diesen Part als Geschäftsmodell etabliere und IT-Sicherheitsdienstleistungen gegen derartige Angriffe aus dem Internet mit anbiete oder sich gar darauf spezialisiere. In diesem Zusammenhang erläuterte er auch die Auswirkungen von Regelwerken wie NIS2‑, BSI‑ und KRITIS‑Vorgaben auf den Mittelstand.

Die Veranstaltung bot darüber hinaus Raum für den Austausch zu zentralen Handlungsfeldern wie Personal‑ und Belegschaftsvorsorge, Liquiditätssicherung, physischer Sicherheit und Lieferketten‑Resilienz. „Ziel unserer Veranstaltung war es, Unternehmen konkrete Orientierung zu geben, wie Risiken frühzeitig erkannt, Abhängigkeiten reduziert und robuste Strukturen aufgebaut werden können“, resümierte IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke, der abends in der WDR-Lokalzeit OWL im Fernsehen das Thema betriebliche Resilienz erläuterte.

Jörg Deibert, IHK

     

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