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Resilient, flexibel und pragmatisch
Mehr Raum und ein Standortvorteil an der A33 — das waren im Jahr 2020 ausschlaggebende Argumente für den Intralogistik-Automatisierer Westfalia Technologies, sich auf einer Fläche von neun Hektar im Interkommunalen Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold niederzulassen. Aus heutiger Sicht seien alle Pläne aufgegangen. „Wir haben den neuen Standort konsequent durch flexible Räumlichkeiten auf den Projekterfolg ausgerichtet“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Andreas Gartemann. „Und das rechtzeitig trotz Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Unsicherheit auf den Weltmärkten. Dennoch spüren auch wir die Auswirkungen wie Projektverzögerungen, aufgeschobene Investitionen und signifikante Kostensteierungen in nahezu allen Bereichen. Das bedeutet Planungsunsicherheit und zwingt uns zu pragmatischen und flexiblen Lösungen.“
Das aber gelinge gut: „Westfalia wächst entgegen dem allgemeinen Trend. So hat sich der Umsatz in den vergangenen fünf Jahren auf rund 75 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Fast 70 Prozent davon erwirtschaften wir mit langjährigen Bestandskunden“, resümiert Gartemann. Die Zahl der ausgelieferten Regalbediengeräte (RBG) im Jahr 2025 habe sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. „Wir liefern bei wachsendem Auftragsvolumen termintreu und sichern durch den erweiterten Teststand die Qualität unserer Lagerkomponenten.“ Das neue Werk sei mit 400 Metern Länge auf die bis zu 50 Meter hohen RBG ausgelegt. Diese würden liegend montiert und über eine Sonderausfahrt zur benachbarten Autobahn transportiert. Die Modularität der leichten und kompakten Einmast-Regelbediengeräte reduziere Schwertransporte, zudem seien diese einfach in niedrigere Bestandsgebäude mit geringeren Bodenlasten zu integrieren. „So automatisieren oder modernisieren wir auch kleinere Unternehmen effizient, beispielsweise durch Gerätetausch“, verspricht Gartemann.
„Neue Fertigungsanlagen wie die CMA Rohr- und Profilbearbeitung sowie ein Schweißroboter steigern die Fertigungseffizienz und sichern die Qualität unserer Produkte“, erläutert Sebastian Bursy, Leiter Produktion & Lean Management, den Ausbau der Fertigung. Der kollaborative Roboter führe zuverlässig hochwertige Schweißarbeiten aus, während Mitarbeitende in der Nähe arbeiten: „Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine entsteht eine moderne, effiziente Fertigungsumgebung. Der zusätzliche Platz strukturiert Fertigungsprozesse, so erhöhen wir Produktivität und Output“, erklärt Bursy.
Nachhaltigkeit sei das zweite Hauptziel des neuen Komplexes, der nach den Richtlinien der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) energiesparend errichtet, mit Luftwärmepumpe-Heizung und 1.400 Photovoltaik-Modulen auf 2.800 Quadratmeter Dachfläche ausgestattet wurde. Auch diese Kalkulation ist laut Gartemann aufgegangen: „2025 haben wir 644.410 kWh Strom erzeugt, decken damit ein Drittel des gesamten Verbrauchs unserer Produktion und konnten rechnerisch rund 376 Tonnen CO₂ einsparen.“ Die Westfalia-Systeme seien auf höchste Lagerdichte, Lagerkapazität, Zuverlässigkeit und damit ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit ausgelegt. „Unsere Satellitentechnologie ermöglicht es, auf minimaler Fläche Lagerstandorte zu bündeln und Betriebskosten zu reduzieren. Dass wir Schlüsselkomponenten jetzt klimafreundlicher produzieren, verbessert die Nachhaltigkeit zusätzlich.“
Eine Neuerung warte bald im Foyer — ein Empfangsroboter von TERRA Robotics. Mit der WORTMANN-Tochter biete Westfalia, als Teil der WORTMANN Gruppe, künftig KI-gestützte Robotik für industrielle Umgebungen. Auch Reinigungs-Roboter in Verwaltung und Produktion drehen seit Anfang dieses Jahres ihre Runden. Das erweiterte Produkt- und Dienstleistungs-Portfolio sei die Antwort auf einen wachsenden Bedarf: Künftig sollen AMRs, Quadrupeds und Humanoide logistische Aufgaben wie Kommissionierung übernehmen, mit nahtlosen Schnittstellen zu bestehenden Systemen und datensicher gehostet in Deutschland. Gartemann: „Wir begegnen der Industrie 5.0. Das bietet große Chancen.“
1971 gründete der Borgholzhausener Ulrich Upmeyer die WFT Systemtechnik, die anfangs mit 20 bis 30 Mitarbeitenden Fördersysteme für Land- und Forstwirtschaft produzierte. Heute beschäftigt Westfalia Technologies europaweit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie weitere 500 weltweit mit der US-Schwester Westfalia Technologies, Inc. in York, Pennsylvania. Heute vertrauten mehr als 500 Kunden auf Westfalia-Lagersysteme: „Neben Innovation bleibt die Basis höchste konstruktive und funktionale Sicherheit. Strukturen und Fertigungskapazitäten für flexible, individuelle Lösungen, kurze Kommunikationswege und interdisziplinäres Teamwork sowie eine solide Geschäftspolitik für das Vertrauen in unsere Produkte und Leistungen. Wir sind bereit für die nächsten 55 Jahre“, blickt Gardemann voraus.



