Politik und Standort
Friends with benefits
Geopolitische Spannungen, stark gestiegene Energiepreise oder anhaltende Lieferkettenrisiken erschweren unternehmerisches Handeln derzeit weltweit. Umso wichtiger werden stabile Wirtschaftspartnerschaften, gerade auch zu unseren unmittelbaren Nachbarn. Vor diesem Hintergrund rückte die deutsch-britische Zusammenarbeit beim „Germany-UK Business-Government Forum“ in den Fokus. Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Länder diskutierten im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin eine zentrale Frage: Wie können Deutschland und das Vereinigte Königreich ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit und Widerstandsfähigkeit stärken?
Nachdem der Brexit vor nunmehr sechs Jahren gewachsene Wirtschaftsstrukturen schwer beschädigt hat, wollen die Europäische Union (EU) und das Vereinigte Königreich wieder stärker kooperieren. Angesichts gemeinsamer Interessen und Werte sollten beide Seiten ihre Zusammenarbeit vertiefen — mit möglichst engen institutionellen Beziehungen in allen relevanten Bereichen: Von laufenden Verhandlungen im Agrarbereich und beim EU-Emissionshandelssystem bis hin zu Fragen der Wirtschaftssicherheit. Solange ein Wiederbeitritt zur EU nicht absehbar ist, befürwortet die deutsche Wirtschaft auch britische Bestrebungen hin zu einer Zollunion oder einer stärkeren Anlehnung an den Binnenmarkt. Der nächste Gipfel zwischen EU und Großbritannien im Sommer 2026 bietet für entsprechende Diskussionen eine gute Gelegenheit.
Die Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz, industriellen Verzahnung und internationalen Wettbewerbsfähigkeit gewinnt auch auf bilateraler Ebene für Deutschland und Großbritannien an Bedeutung. Eine länger anhaltende Krise im Nahen Osten hätte spürbare Folgen und würde in beiden Ländern aufgrund höherer Energiekosten und steigender Inflation die Wachstumsaussichten für das laufende Jahr gefährden. Auf deutscher Seite leidet die Wirtschaft zudem noch unter strukturellen Problemen, wie hohen Kosten und Steuern sowie einer überbordenden Bürokratie. Das verstärkt das Risiko einer erneuten Stagnation.
Im Hinblick auf ihr Geschäft der nächsten zwölf Monate berichten die deutschen Unternehmen in Großbritannien mehrheitlich von stabilen Erwartungen. Das geht aus einer noch nicht veröffentlichten Umfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK Großbritannien) hervor. Allerdings sind die Aussichten für die britische Wirtschaft deutlich eingetrübt: Gegenüber früheren Umfragen schätzen Unternehmen die konjunkturelle Entwicklung in Großbritannien aktuell sehr negativ ein. Energiekosten und Logistikprobleme gehören zu den größten Risiken für das künftige Geschäft.
Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Herausforderungen rücken die bilateralen Beziehungen des Vereinigten Königreichs zu Deutschland stärker in den Fokus. Der Deutsch-Britische Freundschaftsvertrag vom vergangenen Juli, der „Kensington Treaty“, stellt eine neue strategische Grundlage dar. Er bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit beider Länder in wichtigen Bereichen wie Verteidigung, Innovation, Digitalisierung und Energieinfrastruktur. Darauf sollten Deutschland und Großbritannien im Interesse der Unternehmen aufbauen und weitere Kooperationsmöglichkeiten eröffnen.
Kontakt
Luisa Griese
IHK Ostwestfalen
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