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Im Porträt

Der Technikbegeisterte

Den ersten PC hat Thomas Honemeyer bereits als Schüler zusammengebaut, der Schulbesuch war für ihn ein lästiges Übel und direkt nach dem Abi 1990 hat er in der Detmolder Innenstadt ein Ladenlokal angemietet, um seine Rechner zu verkaufen – der heute 55-Jährige ist wohl der Prototyp eines erfolgreichen Unternehmers, der es geschafft hat – ohne jemals in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet zu haben – seinen Weg zu gehen. Ein Weg, der ihn hoch hinausgebracht hat, im wahren Sinne des Wortes. Erst vor wenigen Wochen ist er mit seiner Firma, der InSys AG, in eine der attraktivsten Immobilien der Stadt eingezogen – in das H1. In der 16. Etage des Heins, wie das frisch renovierte Hochhaus im Herzen von Bielefeld liebevoll genannt wird, hat das IT-Systemhaus ein neues Zuhause gefunden. Die Spezialisten der InSys AG arbeiten schwerpunktmäßig an den Themen Microsoft 365 Cybersecruity und Netzwerklösungen, Firewalls, Videoüberwachung und Zutrittskontrollsystemen des Herstellers Ubiquiti/UniFi.

An diesem Nachmittag fallen einige Superlative — Thomas Honemeyer spricht „von der höchsten Büroetage in Ostwestfalen“ und von der „vielleicht exklusivsten Mietfläche in der Region“. Durch Zufall sei er auf die Räume aufmerksam geworden. Ein Freund habe ihm für ein geplantes Event das H1 empfohlen. Das 1974 erbaute Hochhaus in unmittelbarer Nähe zum Bielefelder Kesselbrink ist von der Firma Goldbeck revitalisiert worden und hat so Einiges zu bieten: Mit 17 Stockwerken und 76 Metern Höhe ist das H1 das höchste Gebäude Bielefelds. Hotel, Co-Working-Space, Parkhaus, Fahrradgarage, Restaurant, Büroflächen, Skybar — all das vereint die Immobilie, zudem liegt sie fußläufig zum Hauptbahnhof, auch die Altstadt ist nicht weit. „Mir ist aufgefallen, dass in den Etagen 14 bis 16 keine Namensschilder zu finden waren. Ich habe spontan nach einer Möglichkeit zur Besichtigung gefragt und wusste sofort, dass es für meine Mitarbeitenden und mich die perfekte Arbeitsumgebung ist. Man brauchte zwar etwas Fantasie, weil alles noch im Rohbau war, aber es war die absolut richtige Entscheidung“, schwärmt der Unternehmer vom Ausblick, der bis hin zum Hermannsdenkmal reicht. Inklusive Schulungscenter umfasst die Etage rund 700 Quadratmeter. Da sei der Umzug aus dem Welle-Haus, in dem die InSys AG 15 Jahre auf zwei Etagen ihre Heimat hatte, leichtgefallen.

„HABE MICH AUSPROBIERT“

An seine Anfänge denkt der gebürtige Herforder, der in Detmold aufgewachsen ist und dort auch heute noch lebt, mittlerweile reflektierter zurück: „Ich hatte wohl ein mangelndes Risikobewusstsein und habe mir wenig Gedanken über Konsequenzen gemacht. Mir ging es darum, das zu machen, woran ich Spaß hatte. Ich habe mich ausprobiert, schon in jungen Jahren.“ Nach der Schule studierte Honemeyer Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau. „Irgendwann habe ich das Studium abgebrochen, weil es mir zu teuer wurde. Ich konnte ja kein Geld verdienen, während ich im Hörsaal saß“, beschreibt er das Gefühl, nicht am richtigen Ort gewesen zu sein und grinst. In den Anfangsjahren habe er viel gelernt, in seinem Ladenlokal in Detmold — der Grundstein für seine Selbstständigkeit, in die er bereits 1991 startete. „Das war eine gute Feedbackschleife, die Kunden haben mir direkt gesagt, wenn etwas nicht passte“, erinnert sich Honemeyer. Heute besteht die InSys AG — der Name ist schlicht die Abkürzung für Informationssysteme — seit 35 Jahren, es gibt eine Niederlassung in Hamburg und eine in Dubai. Bereits vor 20 Jahren reiste Honemeyer das erste Mal dorthin. „Dubai ist ein Riesenmarkt, all die Hotels und Büros benötigen Netzwerke, da sehe ich für uns enormes Wachstumspotenzial“, gerät der Technikbegeisterte ins Schwärmen. Sein Faible und seine Begeisterung für die moderne Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten kann der IT-Experte nicht verhehlen — besonders in den Wintermonaten verlegt er seine Arbeitsstätte gerne für ein paar Wochen nach Dubai, in Begleitung seiner Frau. „Um zu arbeiten, benötige ich nur meinen Laptop und einen Internetanschluss“, freut er sich über die Freiheit, die damit einhergeht. Auf welche technische Errungenschaft er nicht mehr verzichten möchte? Die Antwort von Honemeyer kommt spontan: „Die Mobilität und Flexibilität unserer heutigen Arbeitswelt ist ein Feature, das ich nicht missen möchte. Ich finde es cool, von überall aus arbeiten zu können, zu jeder Zeit, ohne dass jemand merkt, wo ich mich gerade aufhalte. Der Videocall bleibt der gleiche.“

REMOTE-WORK-WEEK IN DUBAI

Thomas Honemeyer ist es wichtig, für seine Mitarbeitenden ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ein modernes Arbeitsumfeld für diese zu schaffen, natürlich ist auch Remotearbeiten möglich. Freitags kommen alle im Teamraum zusammen, der über einen langen Tisch für gemeinsame Mahlzeiten, ein Sofa und einen Fernseher verfügt. „Von Montag bis Donnerstag arbeiten wir im Unternehmen, am Freitag am Unternehmen“, beschreibt er das Konzept. Einmal im Quartal kommt das Team der InSys AG zusammen, Städteübergreifend. Derzeit haben einige Mitarbeitende ein Flugticket für Dubai in der Tasche, für eine Remote-Work-Week. „Ursprünglich wollten wir mit 15 Leuten im Mai dorthin fliegen, doch aufgrund der derzeitigen politischen Lage haben wir das Event in den November verschoben“, erzählt Honemeyer, der sein Team mit dieser Aktion dafür belohnen möchte, dass wichtige Unternehmensziele vorzeitig erfüllt worden seien. „Mir ist es wichtig, eine offene Arbeitskultur ins Team zu tragen, egal in welcher Niederlassung jemand arbeitet.“ Quereinsteiger sind willkommen. „Ich bin selbst das beste Beispiel für einen ungewöhnlichen Lebenslauf, daher gebe ich Menschen eine Chance. Bei mir zählen Softskills. Die Leute in meinem Team sollen offen, freundlich und zugewandt sein, das kann man nicht lernen. Fachliche Expertise schon.“ 

CYBERSECURITY ALS NEUES GESCHÄFTSMODELL

Derzeit hat das Microsoft IT-Systemhaus zehn freie Stellen zu besetzen, für die Standorte in Bielefeld, in Hamburg oder Remote — gesucht werden unter anderem Vertriebler, dazu Administratoren und Consultants für diverse Microsoft-Anwendungen und den Bereich UniFi. Überhaupt scheint die InSys AG sämtliche Auszeichnungen der Branche vereint zu haben: Erster zertifizierter Microsoft Gold Partner für Cloudlösungen in Europa, autorisierter Ubiquiti Enterprise Partner, 80.000 betreute Anwender international auf der Microsoftplattform, Deutschlands größtes UniFi Democenter, dazu Microsoft Partner of the Year. Die Anfänge reichen zurück in die Welt der Migration von Microsoft hin zu Cloudlösungen, die die InSys AG mit aufgebaut hat. Inzwischen besteht das Geschäftsmodell zu 70 Prozent aus Lösungen für Cybersecurity — der Diebstahl von Identitäten sei inzwischen eine der größten Bedrohungen für Unternehmen. Thomas Honemeyer erklärt: „Sobald jemand in den Besitz von Zugangsdaten gelangt und Ihre Identität gestohlen hat, kann er sich als Mitarbeitender ausgeben, in Ihrem Namen E-Mails schreiben, Sie im Namen Ihres Vorgesetzen zu Zahlungen auffordern oder Sie erpressen. Da reden wir schnell von sechsstelligen Schadenssummen“, will der IT-Experte für das Thema sensibilisieren. „Wir sprechen von einer real existierenden Bedrohung. Wir haben hier Fälle gehabt von gestandenen Unternehmern, die Tränen in den Augen hatten, weil sie so verzweifelt waren. Da werden im Namen der Inhaber Mails verfasst, die über die Insolvenz informieren und einen enormen Imageschaden anrichten. Unsere Aufgabe ist es, die Existenzen von Unternehmen und Unternehmern zu schützen.“ 

KI FÜR VIDEOÜBERWACHUNG

Ein weiteres Feld, das sich die InSys AG erschlossen hat, ist die Nutzung von KI für Videoüberwachung oder Zutrittskontrollsystemen. Ein Kunde sei beispielsweise das Phantasia-Land in Brühl — hier hat das IT-Systemhaus 850 WLAN-Points sowie 500 Kamerasysteme installiert. „Die Kameras sind so intelligent, dass sie bei entsprechender Programmierung verloren gegangene Kinder anhand diverser Features auf dem Gelände aufspüren können“, beschreibt Honemeyer, was mittels entsprechender Technik alles möglich ist. Auch gebe es viele Personengruppen mit einem „extrem hohen Sicherheitsbedürfnis“.

Thomas Honemeyer ist jemand, der nicht stehen bleibt, der Freude an was Neuem hat: „Ich bin extrem technikbegeistert und sehe alles, was kommt, als Chance. Widerstände sind lösbar. Mir ist die Einstellung, dass Veränderung gefährlich ist, fremd.“ Und kommt ins Sinnieren: „Eigentlich hätte ich 30 Jahre später geboren werden müssen, dann könnte ich all die technischen Neuerungen, die auf die Menschheit noch zukommen, miterleben. Die Künstliche Intelligenz ist erst der Anfang. Ich denke, dass durch eine Generelle Intelligenz noch viel Umsturzpotenzial auf die Gesellschaft zukommen wird. Da werden Menschen für Berufe wie Bäcker, Lackierer und selbst Ärzte nicht mehr benötigt. Diese Tätigkeiten übernehmen dann humanoide Roboter.“

Bevor es soweit ist, widmet sich der Unternehmer jedoch erstmal seiner eigenen Firma und schraubt an den Dingen, die er aktuell beeinflussen kann: „Wir steuern auf eine andere Qualität der Arbeit zu. Wir gewinnen in Deutschland als Standort nur, wenn wir uns modernisieren. Die Mobilität der Menschen wird immer größer, immer mehr Beschäftigte erwägen einen Umzug ins Ausland, um von dort aus zu arbeiten. Wir stehen im Wettbewerb um Fachkräfte. Deshalb ist es wichtig, in Deutschland moderne Arbeitsumgebungen zu schaffen und bürokratische Hürden abzuschaffen. Es gibt noch viel zu viele analoge Prozesse in unseren Verwaltungen“, moniert der Technikfan.  Mit seinem Umzug ins H1 ist er — mal wieder — einen Schritt voraus und zeigt, dass es sich lohnt, seinen eigenen Weg zu gehen und Weitblick und Ausblick sich nicht ausschließen.

 

Silke Goller

     

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