Ostwestfälische Wirtschaft

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Politik und Standort

IHK IN ZAHLEN 2025

Mentoring Service blickt auf 25 Jahre zurück

Seit 25 Jahren gilt er als fester Bestandteil der regionalen Gründungslandschaft — der Mentoring Service Ostwestfalen der IHK Ostwestfalen und der pro Wirtschaft GT. Er unterstützt Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmen durch ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren. Bislang wurden rund 1.400 Gründungen und Unternehmen begleitet, aktuell engagieren sich 27 Ehrenamtliche. Ziel sei ein vertrauensvoller Austausch durch kompetente Gesprächspartner ohne eigene wirtschaftliche Interessen, etwa bei der Entwicklung von Geschäftsideen und Strategien. „Vor 25 Jahren fiel der Startschuss für diese ehrenamtliche Initiative, die für unsere Region nach wie vor einzigartig ist und damals wie heute zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts OWL beiträgt“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. 

Wirtschaftspolitische Neuausrichtung gefordert

Die Botschaft war klar — beim 44. Unternehmertag Ostwestfalen-Lippe forderte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger Reformen für eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung in Deutschland. Mehr als 1.000 Gäste nahmen an der größten wirtschaftspolitischen Veranstaltung der Region teil. Unter dem Motto „Vom Aufbruch in den Umbruch — jetzt die deutsche Wirtschaft entfesseln“ betonte er den Handlungsdruck und kritisierte insbesondere Bürokratie und mangelnde Reformdynamik: „Deutschland kann mehr — aber dafür müssen wir endlich handeln.“ 

Dulger forderte außerdem eine Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die Leistung stärker belohnt. An der aktuellen Bundesregierung äußerte er deutliche Kritik, da sich die Erwartungen an einen wirtschaftlichen Aufbruch bislang nicht erfüllt hätten. Wichtige Handlungsfelder seien unter anderem Energie, Bürokratie, Steuern und Fachkräftesicherung. Ziel sei ein Stimmungsumschwung hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Zuversicht.

 

275. Kooperation im Projekt „IHK-Schule-Wirtschaft“

Schülerinnen und Schülern praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen und Unternehmen frühzeitig mit potenziellen Nachwuchskräften zu vernetzen — das ist das Ziel der Kooperation IHK-Schule-Wirtschaft. Ein erfolgreiches Format, wie die inzwischen 275. Kooperation zeigt, die zwischen der BENTELER Maschinenbau GmbH und der Sekundarschule Gellershagen aus Bielefeld im Juni 2025 geschlossen wurde. Ute Horstkötter-Starke, IHK-Geschäftsführerin Berufliche Bildung, betonte: „Diese Zahl freut uns natürlich sehr. Sie zeigt deutlich, welch hohen Stellenwert die Berufsorientierung sowohl für Unternehmen als auch für Schulen hat.“ Auch BENTELER verfolgt das Ziel, junge Talente durch enge Zusammenarbeit mit der Schule gezielt zu fördern und auf ihren beruflichen Weg vorzubereiten.

 

Nachhaltigkeitspreis verliehen

Die Umweltstiftung der ostwestfälischen Wirtschaft hat anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens in 2025 zum vierten Mal ihren Nachhaltigkeitspreis vergeben. Insgesamt nahmen 46 Bewerber aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft am Wettbewerb teil. Der Hauptpreis des mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preises ging an die KATMA Engineering GmbH, das Unternehmen hat eine automatisierte Lösung zur Reinigung von Lkw-Laderäumen entwickelt. Diese Innovation reduziert unter anderem Wasser-, Chemie- und Energieverbrauch erheblich und bekam ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro. Ein weiterer Preis in Höhe von 3.000 Euro wurde an den Lehrstuhl für Industrielle Organische Chemie der Fakultät für Chemie an der Uni Bielefeld verliehen — für Forschungsarbeiten zu biobasierten und biologisch abbaubaren Schmierstoffen. 

Zusätzlich wurde ein nicht dotierter Sonderpreis an die Stadtwerke Bielefeld verliehen für ein umfassendes Klimaschutzkonzept, das ambitionierte Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Klimaneutralität verfolgt.

 

IHK-Veranstaltung „Bundeswehr – Wirtschaft“ 

Die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa zeigt: Für Unternehmen bieten sich zahlreiche Chancen als Partner der Bundeswehr, insbesondere durch das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro. Ob Kleiderbügel, Schrauben oder Panzerglas — das Militär hat einen sehr breiten Bedarf an Produkten und Dienstleistungen. Die IHK-Veranstaltung wollte Firmen dabei unterstützen, Beschaffungsprozesse zu verstehen, eigene Potenziale zu erkennen und sich strategisch als Lieferant zu positionieren. Praxisberichte zeigten, dass der Einstieg in die Zusammenarbeit Zeit, Marktverständnis, passende Strukturen und Netzwerke erfordert, sich aber durch verlässliche Abnahmen und vergleichsweise kurze Zahlungsziele auszahlen kann.

 

Büros und Lager teurer, Handelsflächen unter Druck 

Der IHK‑Mietpreisatlas 2025 zeigt, dass sich die gewerblichen Mieten in Ostwestfalen unterschiedlich entwickeln, insbesondere im Einzelhandel. In Top-Lagen großer Städte sind die Mieten für Einzelhandelsflächen in den vergangenen fünf Jahren um 20 bis 30 Prozent gesunken, während sie in Nebenlagen stabil blieben oder leicht stiegen. 

Dagegen steigen die Mieten für Büro- sowie Lager- und Produktionsflächen deutlich, vor allem wegen knapper Flächen, höherer Baukosten und gestiegener Nachfrage. Moderne Büros kosten häufig über zehn Euro pro Quadratmeter, neue Lagerhallen über acht Euro, teils sogar über zehn Euro. Für die Zukunft wird erwartet, dass Büromieten ihren Höhepunkt erreicht haben und eher stagnieren oder leicht sinken, da Unternehmen vermehrt kleinere Flächen nachfragen. Der IHK-Mietpreisatlas basiert auf Daten von über 1.000 Unternehmen und dient als wichtiges Instrument zur Orientierung auf dem Gewerbeimmobilienmarkt.

Gespräch über Werte, Krisen und Führung

Drei prägende Unternehmer haben über ihre Erfahrungen an der Unternehmensspitze berichtet und über Familienunternehmen als Stabilitätsanker diskutiert. Rund 80 Gäste verfolgten das Gespräch über Werte, Krisen und Führung. Ein zentrales Ergebnis: Vertrauen ist die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Dr. Wolfgang W. Böllhoff (91) betonte den respektvollen und fairen Umgang, auch in schwierigen Zeiten: „Menschen sollen gut miteinander umgehen“. Er hob hervor, dass Werte wie Verlässlichkeit vorgelebt werden müssten. Dr. Peter von Möller (91) stellte Führung auf Augenhöhe in den Mittelpunkt. Sein Rat: „Du musst zu den Menschen gehen, führen, nicht herrschen“. Zudem sieht er Krisen als Chance zur Weiterentwicklung von Unternehmen. Fehler seien dabei wichtig für Lernprozesse und Verbesserungen. Ortwin Goldbeck (87) nannte Vertrauen und Verantwortung als zentrale Werte. Beim Thema Nachfolge betonten sie frühzeitige Planung und klare Verantwortung. Zugleich wurde die Bedeutung gesellschaftlichen Engagements hervorgehoben, da Familienunternehmen Verantwortung über das Wirtschaftliche hinaus tragen. Insgesamt stehen die Unternehmer für Mut, Weitsicht und nachhaltiges Handeln.

 

Tourismuspreis verliehen

Beim 16. Teutoburger Wald Tourismustag trafen sich rund 200 Vertreter aus Tourismus, Wirtschaft und Politik, um über die Weiterentwicklung der Branche zu diskutieren. Mit knapp sieben Millionen Übernachtungen und rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz ist die Urlaubsregion ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des IHK-Tourismuspreises, für den insgesamt 36 Bewerbungen eingegangen waren. Den Hauptpreis sicherte sich die Klimaerlebniswelt Oerlinghausen, der Sonderpreis ging an das Kinder-Salzcafé „Bambini-Welt“ von Jasmina Chahrour in Bad Lippspringe. 

„Die Klimaerlebniswelt beeindruckt mit einem innovativen Konzept, das Besucherinnen und Besucher aktiv einbindet und zugleich ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz aufgreift“, so die Jury, zu der auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke zählt.

„Mehr mit China reden statt über China“ 

Beim 31. Außenwirtschaftsforum der IHK Ostwestfalen diskutierten rund 80 Unternehmerinnen und Unternehmer die veränderten Wirtschaftsbeziehungen zu China. Dabei wurde deutlich, dass das Geschäft zunehmend komplexer wird, Importe steigen und Exporte zurückgehen, was zu einem Defizit führt. 

Zugleich wachsen Abhängigkeiten, etwa bei Rohstoffen, während China sowohl als Partner als auch als Konkurrent betrachtet werden sollte. Ein zentrales Fazit lautete: „Mehr mit China reden statt über ­China“. Unternehmen wird empfohlen, ihre Strategien anzupassen, im Markt präsent zu bleiben und sich zugleich auf Risiken vorzubereiten.

 

     

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