Politik und Standort
Innovation für gesunde Pferde
Wenn Innovation aus persönlicher Betroffenheit erwächst, entstehen oft Lösungen mit besonderer Wirkung. Genau so begann die Geschichte der german horse tech GmbH in Vlotho. Christina und Björn Schindler haben eine Technologie entwickelt, die Pferdehaltern helfen soll, die Gesundheit ihrer Tiere zu schützen — und gründeten daraus ein Unternehmen mit Wachstumspotenzial.
EINE IDEE AUS DEM EIGENEN STALL
Der Auslöser für die Unternehmensgründung war kein Businessplan, sondern die Erkrankung der eigenen Stute „Rosi“. Das damals neunjährige Pferd litt schwer an Equinem Asthma, einer chronischen Atemwegserkrankung, die viele Pferde betrifft. Trotz intensiver Behandlungen, täglicher Inhalationen und der Fütterung von bedampftem Heu verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. In dieser Situation entstand eine entscheidende Frage: Muss Heu überhaupt befeuchtet oder bedampft werden, um Staub zu reduzieren — oder lässt sich der Staub nicht direkt entfernen? Als Antwort darauf entwickelte Björn Schindler einen ersten Prototyp. Als Diplom-Ingenieur und technischer Projektmanager verfügt er über das nötige Fachwissen. Die Idee: Heu trocken und mechanisch entstauben. Die Wirkung zeigte sich zunächst im eigenen Stall: Der Gesundheitszustand der Stute stabilisierte sich deutlich, Husten und Atemprobleme gingen zurück — aus einer persönlichen Notlage wurde eine Geschäftsidee.
TECHNIK FÜR GESUNDE PFERDE
2025 gründeten Christina und Björn Schindler die german horse tech GmbH in Vlotho. Im Mittelpunkt steht dabei weiterhin die Heu-Entstaubung. Das System entfernt Staubpartikel und feine Verunreinigungen mechanisch aus dem Heu — ohne Wasser, Dampf oder Hitze. Dadurch bleibt das Futter trocken, lagerfähig und behält seine Nährstoffe. Gleichzeitig soll die Staubbelastung für Pferde deutlich reduziert werden. Die Maschine wurde speziell für private Pferdehalter, kleinere Pensionsställe, Pferdekliniken und Therapiezentren entwickelt. Eine Tagesration Heu kann innerhalb weniger Minuten aufbereitet werden. Ergänzend bietet das Unternehmen Serviceleistungen, Wartung sowie nachhaltige Verbrauchsmaterialien an.
ERFOLG DURCH UNTERSCHIEDLICHE KOMPETENZEN
Christina Schindler bringt langjährige Erfahrung im Vertrieb der Reitsportbranche mit. Stationen bei namhaften Unternehmen der Pferdewirtschaft sowie ihre Tätigkeit als aktive Reiterin und Stallbetreiberin ermöglichen ihr einen direkten Zugang zur Zielgruppe. Als geschäftsführende Gesellschafterin verantwortet sie Vertrieb, Marketing und die strategische Entwicklung des Unternehmens. Björn Schindler ergänzt diese Markt- und Branchenkenntnis durch seine technische Expertise. Als Diplom-Ingenieur, Projekt- und Nachhaltigkeitsmanager entwickelt er die Technologie und verantwortet Forschung, Konstruktion und Produkt-entwicklung. Sein Schwerpunkt liegt darin, technische Innovationen in robuste und praxistaugliche Produkte zu überführen.
Gemeinsam verfolgen beide ein klares Ziel: technische Lösungen für die moderne Pferdehaltung zu entwickeln, um die Vitalität und Gesundheit von Pferden zu fördern. Der Prototyp der Maschine ist nach Angaben der beiden Gründer bei verschiedenen Messen schon auf sehr großes Interesse bei den Pferdeliebhabern gestoßen. „Seit dem Verkaufsstart im Dezember vergangenen Jahres habenwir mehrere Maschinen im Markt und von unseren Kunden sehr gute Bewertungen erhalten. Viele berichten von der effizienten Entstaubung, die sich positiv auf die Gesundheit der Tiere auswirkt. Vielen Pferden geht es inzwischen deutlich besser, manche sind sogar ganz symptomfrei“, freut sich Christina Schindler.
Obwohl die german horse tech GmbH bundesweit und perspektivisch international wachsen möchte, bleibt die Verbundenheit zur Region ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Entwicklung, Unternehmenssitz und Netzwerk befinden sich in Ostwestfalen-Lippe. Das Unternehmen setzt dabei auf eine schlanke Organisationsstruktur und arbeitet eng mit spezialisierten Produktions-, Technologie- und Forschungspartnern zusammen. Dadurch können Ressourcen effizient genutzt und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards sichergestellt werden. Mit dem Marktstart begann Ende 2025 die erste Wachstumsphase des Unternehmens. Ideen gibt es bereits für eine größere Maschine für professionelle Pferdebetriebe und Pensionsställe — das Patent ist angemeldet, die Realisierung des Projekts läuft. Ende dieses Jahres ist ein Produktlaunch geplant. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an digitalen Anwendungen zur Dokumentation und Analyse der Futterqualität.
Für Christina und Björn Schindler ist die Unternehmensgründung mehr als ein wirtschaftliches Projekt. Sie verstehen german horse tech als Verbindung aus Ingenieurskunst, Tierwohl und Unternehmergeist. Oder wie sie selbst ihre Motivation beschreiben: „Die besten Ideen entstehen dort, wo Menschen ein Problem nicht länger akzeptieren, sondern beginnen, es zu lösen.“
Uwe Lück, IHK



