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„Wir sind mit begründetem Optimismus unterwegs“

Der Auftragseingang beim Bielefelder Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck hat mit 7,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025/26 (Stichtag: 31. März) einen neuen Höchststand erreicht (Vorjahr 7,0 Milliarden Euro). Das europaweit tätige Familienunternehmen konnte die Gesamtleistung — der Fachbegriff für Umsätze in der Baubranche — mit 6,3 Milliarden Euro stabil halten. Für das laufende Jahr rechnen die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Jörg-Uwe und Jan-Hendrik Goldbeck mit einer „deutlich gestiegenen Gesamtleistung“. „Die sieben werden wir erreichen. Mein Bruder und ich sind uns aber bei der Zahl hinter dem Komma nicht einig“, sagte Jan-Hendrik Goldbeck anlässlich des Bilanz-Pressegesprächs mit einem schelmischen Lächeln. „Wir sind mit begründetem Optimismus unterwegs“, ergänzte Jörg-Uwe Goldbeck. Der Auftragseingang sei noch nie so hoch gewesen, „ein gutes Gefühl“, so der Co-Firmenchef.

Das Unternehmen ist mit 122 Standorten in 21 Ländern vertreten. Rund ein Drittel der Gesamtleitung wurde im Ausland erwirtschaftet. Zum ersten Mal expandiert das in Bielefeld-Ummeln ansässige Unternehmen direkt in den US-Markt. Gemeinsam mit dem nach Unternehmensangaben größten US-amerikanischen Bauunternehmen Mortensen aus Minneapolis wurde ein Joint Venture gegründet. „Der Markteintritt in die USA eröffnet neues Wachstumspotenzial für Goldbeck. Unsere systematisierte Bauweise unterscheidet uns vom dortigen Wettbewerb. Wir freuen uns, mit Mortenson einen starken Partner an unserer Seite zu haben, der den lokalen Markt sehr gut kennt und unsere Expertise im Planen und Bauen optimal ergänzt“, so Jan-Hendrik Goldbeck. Ab 2027 soll serielles, systematisiertes Bauen — „Industrialized Construction“ — auf dem US-Markt etabliert werden, beispielsweise für Logistikhallen.

Im Geschäftsjahr 2025/26 wurden 526 Gebäude an Kunden übergeben, rechnerisch zwei pro Werktag. Davon waren 282 Hallen, gefolgt von 86 Bürogebäuden und 67 Parkhäusern. Sie hätten jetzt den Vertrag für das 1.500ste Parkhaus unterzeichnet, „ein Meilenstein“, wie Jörg-Uwe Goldbeck unterstrich. Hinzu kamen noch 24 Schulgebäude und Kitas, 19 Wohngebäude, 18 Sporthallen, ein Rettungs- und Sicherheitsgebäude sowie 29 revitalisierte Bestandsgebäude. Es hätten durchaus noch mehr Projekte sein können, zu Verzögerungen sei es auf Kundenseite unter anderem durch „Genehmigungsthemen“ gekommen. Im Bereich der Immobiliendienstleistungen betreue „Goldbeck Services“ 2.478 Immobilien, darunter Parkhäuser, Bürogebäude und öffentliche Einrichtungen.

„Die Situation im Hochbau bleibt anspruchsvoll; Deckungsbeiträge sind durch verschiedene Rahmenbedingungen unter Druck. Umso mehr zeigt der gestiegene Auftragseingang, dass unser Verständnis von zukunftsfähigen Gebäuden den Bedarf des Marktes trifft. Mit unseren Produkten schaffen wir die Voraussetzungen für Arbeiten, Wirtschaften und Zusammenleben“, so Jörg-Uwe Goldbeck. Die Zahl der Mitarbeitenden erhöhte sich im Berichtszeitraum von 13.150 auf rund 14.300 und habe sich damit seit 2019 etwa verdoppelt.

Das wachstumsstärkste Produkt sei der Wohnungsbau, in der Sparte sei der Auftragseingang auf über eine Milliarde Euro nach 691 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen. Rund 5.000 Wohneinheiten habe Goldbeck bisher fertiggestellt, weitere circa 8.000 seien aktuell im Bau. „Es ist ein Produkt, das sich etabliert hat“, so Jan-Hendrik Goldbeck. Innerhalb von acht Jahren habe sich der Auftragseingang „von Null auf eine Milliarde Euro entwickelt“.

Eine Wachstumsgeschichte, die die Goldbeck-Geschäftsführer auch im Bereich der Data Center wiederholen möchten — als „erster, integrierter europäischer Rechenzentrumshersteller“, der von der Planung bis zur Inbetriebnahme die gesamte Wertschöpfung abdecke. Deshalb wurde im vergangenen Jahr der Planungs- und Beratungsspezialist Critical Building aus Lyon übernommen. An der Zaunergroup, einem österreichischen Anlagenspezialisten, hält Goldbeck seit März dieses Jahres 50 Prozent der Anteile. Aktuell errichtet die Goldbeck-Tochter GSE ein Rechenzentrum in Marseille.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr investierte Goldbeck 126 Millionen Euro, davon flossen 84 Millionen Euro in Werkserweiterungen — unter anderem in das neue Betonfertigteilewerk in Kirchberg im Hunsrück — und 42 Millionen Euro in den laufenden Betrieb.

Im Betonfertigteilewerk in Hamm eröffnete das Unternehmen ein Forschungszentrum für Beton, das „Concrete Innovation Center“. Dort werde an der Dekarbonisierung des Werkstoffs geforscht. Weltweit sei Beton der am häufigsten eingesetzte Baustoff, bei dessen Herstellung rund acht Prozent der weltweiten CO2-Emission verursacht werden. Experimentiert werde mit der Kombination aus Beton und Carbon-Kurzfasern unter dem Namen „Confinity“. Mittelfristig sollen Betonfertigteile mit Netto-Null-Emissionen hergestellt werden.

Heiko Stoll

     

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