Standpunkt
Aufbruchssignal benötigt
Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen: Der ostwestfälischen Wirtschaft geht es aktuell nicht gut. Es herrscht eine schwierige konjunkturelle Situation quer durch alle Branchen. Wie bundesweit leiden auch unsere Unternehmen in Ostwestfalen unter den Herausforderungen und Belastungen, die sich in der kurzen Abfolge der verschiedenen Krisen in den vergangenen Jahren und Monaten aufgetürmt haben: hohe Energiepreise, gestiegene Rohstoff- und Finanzierungskosten, verlängerte und verteuerte Lieferwege, Konsumzurückhaltung, staatliche Zusatzbelastungen oder wegfallende Entlastungen sowie Abschottungstendenzen in der Welt.
Die Krisen haben negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und insbesondere auf Deutschland als Exportnation. Die konjunkturelle Lage hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich abgekühlt. Auch unsere Region ist nicht omniresistent. Die Industrieumsätze in Ostwestfalen sind gegenüber 2022 um 0,4 Prozent auf 51,7 Milliarden Euro gesunken. Dabei hatte zur Jahresmitte noch ein Plus von 7,6 Prozent zu Buche gestanden.
Deutlicher noch als die harten Zahlen bringt die Stimmungslage in unserer ostwestfälischen Wirtschaft die herausfordernde Situation zum Ausdruck. Unsere IHK-Frühjahrskonjunkturumfrage, an der sich aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen 1.854 Unternehmen mit gut 125.000 Beschäftigten beteiligt haben, zeigt dies sowohl bei der Bewertung der aktuellen Lage als auch bei den Erwartungen für das laufende Jahr. Anzeichen für eine durchgreifende Besserung sind – leider – nicht zu erkennen.
Als größte Herausforderungen für die künftige Entwicklung nannten die Unternehmen neben der Inlandsnachfrage die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und da insbesondere die Stichworte "Bürokratie", "Energie" sowie "Unsicherheit und mangelnde Verlässlichkeit". All dies schlägt sich unter anderem auch in Investitionszurückhaltung in der Breite unserer ostwestfälischen Wirtschaft nieder und gefährdet damit Zukunftschancen. Insbesondere die Bundesregierung ist gefordert, einen Stimmungsumschwung zu initiieren. Wir brauchen ein klares Aufbruchssignal, einen Befreiungsschlag von überbordender Bürokratie und handfeste Impulse, die Unternehmen und Bürgern gleichermaßen neue Zuversicht und vor allem auch Planungssicherheit liefern. Auf dieser Basis kann die Zukunft dann auch wieder beherzt in die eigene Hand genommen werden.
„Wir brauchen handfeste Impulse, die neue Zuversicht liefern." – Jörn Wahl-Schwentker, IHK-Präsident



