Ostwestfälische Wirtschaft

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Standpunkt

Die Wirtschaft braucht Impulse

Auch wenn wir Ostwestfalen eher zum Understatement neigen – der Festakt anlässlich unseres 175-jährigen Jubiläums war ein voller Erfolg: gut gelaunte Gäste, prominenter Besuch von Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sowie DIHK-Präsident Peter Adrian und mitreißende Gesangseinlagen von ESC-Sänger Isaak aus Espelkamp. Ein Abend, der gezeigt hat, dass die Region – getreu unseres Jubiläumsmottos „Ostwestfalen. STARK!“ – eine Menge zu bieten hat. Seien es die zahlreichen, häufig familiengeführten Unternehmen, die Dichte an Hidden Champions oder der breite Branchenmix und die Produktvielfalt. „Sollte die Globalisierung scheitern, dann kann Ostwestfalen sich komplett selber versorgen, das habe ich heute Abend gelernt“, merkte Habeck dazu an und erntete für diese Bemerkung einige Lacher aus dem Publikum.

Und dennoch: die Lage der hiesigen Wirtschaft ist derzeit nicht zum Lachen. Die Stimmung ist eingetrübt, ein Aufschwung weiterhin nicht in Sicht. Die Situation bleibt schwierig: Ob Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, Steuern und Abgaben oder überbordende Bürokratie – all dies treibt die deutsche Wirtschaft und damit auch unsere ostwestfälischen Unternehmen um. Und das nicht erst seit gestern. Die Folgen der Corona-Pandemie und des andauernden Ukraine-Kriegs haben tiefe Spuren hinterlassen. Wenn Robert Habeck anmahnt, dass Deutschland wieder mehr Wachstum, Kreativität und Investitionen benötige, gehen unsere Unternehmerinnen und Unternehmer d’accord.

Wer jedoch gehofft hatte, dass der Bundeswirtschaftsminister konkrete politische Impulse für die Wirtschaft im Gepäck hat, wurde enttäuscht. Als Hoffnungsschimmer verwies er auf mutmaßlich bevorstehende Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank, in deren Folge Investitionen dank billigeren Geldes die Konjunktur ankurbeln könnten. Nur von der Hoffnung allein können sich die Unternehmen nichts kaufen und auch nicht investieren. Nun müssen Taten folgen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland und unsere Unternehmen benötigen dringend Aufbruchssignale wie Steuerentlastungen, weniger Regulierung seitens des Staates und klare wie verlässliche Entscheidungen. Durch immer neue Restriktionen und wenig praktikable Vorgaben – Stichwort Lieferkettengesetz – haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer das Vertrauen in die Politik verloren. Es gilt, dieses wieder aufzubauen. Oder um es mit den Worten von DIHK-Präsident Peter Adrian zu sagen: „Die Wirtschaft muss wieder in der Wirtschaft stattfinden können.“

Lassen Sie uns gemeinsam die Herausforderungen der Zeit angehen. Denn trotz der derzeit negativen Stimmung gibt es vieles, auf das wir hier in der Region stolz sein können: auf unseren starken Mittelstand, unsere Netzwerke, auf die kreative Start-up-Szene, die zahlreichen Weltmarktführer und die innovative Forschungslandschaft – kurzum: auf ein starkes Ostwestfalen.

     

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