Standpunkt
Beständig unbeständig
Ein herausforderndes erstes Halbjahr liegt hinter unserer ostwestfälischen Wirtschaft. Viele Unternehmen haben in einem nach wie vor konjunkturell schwierigen Umfeld mit Auftrags- beziehungsweise Produktionsrückgängen, stagnierenden oder gar sinkenden Umsätzen bei weiterhin hohen Kosten zu kämpfen. Vor dieser Realität lassen sich die Augen nicht verschließen — auch nicht, wenn ein paar Sonnenstrahlen Aufhellung bringen.
Wie beim Wetter erleben wir aber ein Wechselspiel. So gibt es kleine, mehr als nur sommerliche Lichtblicke wie die Aufhellung des Konsumklimas, die uns etwas zuversichtlicher in die Zukunft sehen lassen. Aber es gibt am Konjunkturhimmel eben auch die bedrohlich grauen Wolken, die sich nicht verziehen wollen — wie der dritte Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex in Folge und das auf Basis erster Berechnungen rückläufige BIP im zweiten Quartal. Klar scheint derzeit nur, dass wir von einer schnellen und tiefgreifenden Erholung noch immer weit entfernt sind und eher auf eine langsame wirtschaftliche Belebung hoffen müssen. Wichtig ist in dieser Phase und auch angesichts der Transformationswellen, dass unsere Unternehmen widerstandsfähig sind und sich an die Herausforderungen anpassen können.
Ein Hoffnungsschimmer ist die jüngst von der Bundesregierung angekündigte Wachstumsinitiative, die den dringend notwendigen Bürokratieabbau sowie steuerliche Verbesserungen in Aussicht stellt. Diese Maßnahmen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, jedoch müssen sie nun zügig und effizient umgesetzt werden. Wie so oft gilt wieder, dass diesen Worten konkrete Taten folgen müssen.
Es ist aber auch klar, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen werden, um die wirtschaftlichen Herausforderungen dauerhaft zu bewältigen und ein starkes Aufbruchssignal zu setzen. Vielmehr müssen sie ein erster Baustein von vielen auf dem Weg zu einer umfassenderen Unterstützung unserer Wirtschaft sein.
Und mehr noch: Wir brauchen einen Stimmungswandel nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der gesamten Gesellschaft. Es ist von großer Bedeutung, dass in Ostwestfalen und der gesamten Bundesrepublik neuer Mut und neue Zuversicht freigesetzt werden. Wir müssen jetzt gemeinsam die Voraussetzungen für eine gute Zukunft legen. Dass dies in der Vergangenheit schon vielfach gelungen ist, haben wir insbesondere anlässlich des 175-jährigen Bestehens unserer Industrie- und Handelskammer immer wieder in Erinnerung gerufen. Die Leistungen der Vergangenheit sollten gleichermaßen Ansporn und Mutmacher für die Gegenwart und Zukunft sein.
Als Industrie- und Handelskammer stehen wir unseren Mitgliedsunternehmen dabei stets zur Seite, bieten Unterstützung und setzen uns für die Interessen unserer Wirtschaft ein. Gemeinsam können wir diese schwierige Zeit überwinden — immer mit dem Ziel vor Augen, gestärkt in die Zukunft zu gehen.



