Ostwestfälische Wirtschaft

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Standpunkt

Wirtschaft braucht neue Kraft

Weite Teile unserer ostwestfälischen Wirtschaft verharren im Konjunkturtal — das belegen sowohl die harten Zahlen als auch die düstere Stimmung in unserer Herbstumfrage. Trist ist in vielen Branchen die gegenwärtige Situation, trist sind auch die geschäftlichen Erwartungen an die kommenden zwölf Monate. Das zeigen die Einschätzungen der 1.774 Unternehmen, die sich an der Befragung beteiligt haben. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Einmal mehr wird offensichtlich, dass unsere Unternehmen im Wartestand sind — und dringend ein starkes Aufbruchssignal aus der Politik sowie neue Wachstumsimpulse für den Wirtschaftsstandort Deutschland benötigen. Denn immer stärker treten neben vorübergehenden konjunkturellen Problemen inzwischen schwere und langfristige strukturelle Schwächen zu Tage. Ein „Weiter so“ kann und darf es nicht länger geben!

Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland muss wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, die Produktionskosten zurück auf ein international vergleichbares Niveau zu bringen, zum Beispiel bei den Energie- und Arbeitskosten. Die Politik muss endlich ins Handeln kommen — und das im Großen, statt sich im Klein-Klein zu verlieren. Es braucht Anreize für Investitionen. Auch eine Reform der Unternehmenssteuern ist eine mögliche Maßnahme, um im Wettbewerb mit anderen Industrieländern wieder mithalten zu können.

81 Prozent der Industrieunternehmen in Ostwestfalen, die an unserer Konjunkturumfrage teilgenommen haben, bangen aktuell um die Inlandsnachfrage. 69 Prozent nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als eines der Top-Risiken für ihre Geschäfte. Bei Handel und Dienstleistern sieht es kaum besser aus. Die Sorge um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Standorts Deutschland wird damit unübersehbar. Sie hat spezifischere Herausforderungen wie den Fachkräftemangel oder die noch immer relativ hohen Energiepreise weit in den Hintergrund gedrängt. Und sie lässt die Unternehmen auf die Bremse treten — bei Investitionen ebenso wie beim Personalbestand.

Es ist höchste Zeit, die Negativspirale zu durchbrechen. Wir brauchen in Deutschland einen Stimmungsumschwung sowohl in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft. Das Startsignal muss vor allem von der Bundesregierung ausgehen. Sie muss die Kräfte entfesseln statt knebeln, die in unserer Wirtschaft stecken. Wir können es uns schlichtweg nicht mehr leisten, weiter auf der Stelle zu treten. Denn erst recht in der aktuellen Lage ist eine Seitwärtsbewegung alles andere als eine gute Perspektive. Es gilt, unseren Wirtschaftsstandort endlich wieder in Schwung zu bringen.

     

„Ein ‚Weiter so‘ kann und darf es nicht länger geben!“

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