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Im Porträt

Die Tierfinderinnen

Ob feuchte Hundenasen oder flauschige Katzen; für viele gehören sie zur Familie – Haustiere. Unzählige von ihnen sitzen weltweit in Tierheimen und warten auf ein Zuhause. Aber oft ist es schwer, den richtigen tierischen Begleiter für sich zu finden, der in den Alltag und zum eigenen Leben passt. Dieses Problem wollen Lisa Schmidt und Isabel Lüdenbach mit ihrer Tiervermittlungsplattform Findus & Foster angehen. Seit Anfang dieses Jahres sorgen die Gründerinnen mit ihrer Website dafür, dass Tiersuchenden das für sie passende Tier vorgeschlagen wird. So möchten sie den Tierschutz unterstützen und die Tierheime entlasten.

„Ich habe selbst nach einer Katze gesucht und wurde von vielen Tierheimen zurückgewiesen“, berichtet Lisa Schmidt von ihren eigenen Erfahrungen. Die Suche nach einer Katze habe die 24-Jährige auf die Idee für Findus & Foster gebracht. „Eine einzelne Katze zu adoptieren ist sehr schwer, da sie eigentlich in Gesellschaft leben sollten. Für eine zweite war allerdings nicht genug Platz. Aber es gibt auch Katzen, die aufgrund ihrer Vorerfahrungen lieber alleine leben möchten. Genau solch eine Katze habe ich gesucht“, führt Schmidt fort. Sie habe viele Tierheime abgeklappert, sei aber nie fündig geworden. In einer Pflegestelle eines Tierheimes habe sie dann aber eine Katze gefunden, die nur alleine aufzublühen schien. „Das war für mich der Knackpunkt. Es gibt so viele Tierheimtiere, die ein schönes Zuhause suchen — es sollte viel einfacher gemacht werden, ein passendes Tier zu finden“, findet Schmidt. Während ihres Kommunikationsdesign-Studiums habe sie dann überlegt, diese Idee in die Tat umzusetzen. Durch einen Dozenten habe sie von der Möglichkeit erfahren, ein Gründungsstipendium zu erhalten. „Ab da wurde die Vorstellung zu gründen für mich real“, erklärt die Jungunternehmerin.

ENTHUSIASMUS WAR ANSTECKEND

Ihr Enthusiasmus war ansteckend, denn es gelang ihr, ihre Schulfreundin Isabel Lüdenbach von ihrer Gründungsidee zu überzeugen. Die 23-Jährige war gerade dabei, ihre Bachelorarbeit in Nachhaltiger Sozialpolitik zu schreiben: „Ich könnte mir nicht vorstellen, in einem Job zu arbeiten, der nicht sinnstiftend ist. Ich möchte mit dem, was ich mache, etwas Positives bewegen“, erklärt Lüdenbach. Gemeinsam hatten die Freundinnen bereits über Jahre hinweg herumgeflachst, mal irgendwas zu gründen, verraten die beiden. Schauen sich an und lachen. Die Idee von Findus & Foster wurde durch das Gründungsstipendium dann zur Wirklichkeit. Der Name Findus geht auf die beliebte Kinderbuchreihe „Pettersson und Findus“ zurück, Foster stammt aus dem englischen Wort „Foster Homes“, was zu Deutsch „Pflegestelle“ bedeutet.

DAS PASSENDE HAUSTIER FINDEN

Das Konzept hinter Findus & Foster scheint simpel: Tiersuchende geben in einem „Tierfinder“ an, was sie gerne für ein Tier hätten, wie ihre Lebenssituation ist und welche Charakterzüge ihr Wegbegleiter haben sollte. Diese Angaben würden maximal zehn Minuten in Anspruch nehmen. Anschließend werden passende Tiere aus den umliegenden Tierheimen vorgeschlagen, in die sich verliebt werden kann. Von der Schutzgebühr, die jedes Tierheim bei der Vermittlung eines Tieres nimmt, bezahle der Kunde am Ende zehn Prozent an Findus & Foster. „Uns ist es wichtig, dass das Tierheim keine Kosten trägt, deswegen bezahlt der Kunde die Plattform“, betont Schmidt. Dies sei wesentlich einfacher, als sich durch unzählige Tierheime durchzuklicken und nichts Passendes zu finden. Noch feilen die Jungunternehmerinnen an einem optimierten Bezahlungssystem.

„Momentan bauen wir die Website auch noch etwas aus“, fügt Lüdenbach hinzu. Das Suchen und Vorschlagen der Tiere erfolge derzeit noch händisch — das soll sich aber ändern. Damit alles funktioniere, müssten die Tierheime ihre Informationen über die Tiere direkt auf die Seite einspielen. Auch das soll in Zukunft automatisch ablaufen. Bereits jetzt können die jungen Gründerinnen Erfolge verbuchen. „Vor kurzem hat sich jemand gemeldet, der einen Chihuahua gesucht hat. Wir haben dann auch tatsächlich in zwei umliegenden Tierheimen passende Hunde gefunden und diese vorgeschlagen“, berichtet Schmidt stolz. „Für die meisten Menschen lassen sich Tiere finden. Es kommt selten vor, dass man kein passendes Tier vermitteln kann, da muss man dann auf Tierheime zurückgreifen, die nicht unbedingt in der Nähe sind“, ergänzt sie.

BESONDERS BELIEBT: HUNDE UND KATZEN

Besonders beliebt: Hunde und Katzen, wobei sich auch da deutliche Unterschiede zeigten. „Bei den Katzen haben die Leute nicht so spezielle Wünsche, da geht es hauptsächlich darum, dass sie nett oder verschmust sind. Bei den Hunden sieht das allerdings anders aus“, schmunzelt Schmidt. Häufig werde eine bestimmte Rasse oder ein bestimmtes Aussehen gesucht. „Die meisten, die bei uns nach einem Tier suchen, sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass diese Leute wirklich Zeit und Geld für ein Haustier haben. Die Tierhaltungskosten sollten auch nie unterschätzt werden“, betont Lüdenbach. Tiere seien teuer und dies auch ein häufiger Grund, warum diese wieder den Weg ins Tierheim finden.

NUR TIERE AUS DEM TIERSCHUTZ

Tierheime haben das Ziel, den Tieren ein Für-Immer-Zuhause zu vermitteln. Die Mitarbeitenden seien ehrlich und würden die Probleme der Tiere deutlich benennen, damit man direkt darauf eingestellt sei. Einige Menschen würde diese Ehrlichkeit jedoch abschrecken: „Die meisten suchen ein perfektes Tier, ohne Macken. Viele, die das erste Mal einen Hund aufnehmen möchten, wollen am liebsten einen Welpen. Dabei wären ältere Hunde, die bereits stubenrein sind und auch schon einige Kommandos beherrschen, besser geeignet“, betont Schmidt. Viel zu viele gingen dann zum Züchter, obwohl im Tierheim ein passendes Tier warte. Das Problem sehen die beiden Gründerinnen in Plattformen wie eBay-­Kleinanzeigen, auf denen man Tiere kaufen kann. Hier wüsste man nicht, was für ein Tier sich hinter den Fotos verstecke. Wenn es charakterlich nicht passt, könne man das Tier in den meisten Fällen nicht zurückbringen, anders als im Tierheim. „Uns ist es wichtig, nur Tiere aus dem Tierschutz vorzuschlagen. Wir sind dabei zu 100 Prozent transparent und ehrlich“, betont Lüdenbach. Denn auch die beiden Gründerinnen wollen, dass das Tier ein „finales“ Zuhause findet.

„EIN THEMA, MIT DEM MAN ANDERE BEGEISTERN KANN“

Von Freunden und der Familie hat das junge Team von Anfang an Unterstützung erhalten. Lisa Schmidts Bruder sei aus der Familie ihre engste Bezugsperson, deswegen habe es sie gleich doppelt gefreut, dass er von der Idee begeistert war. Lüdenbach ergänzt: „Ich habe sehr viel mit meinen Freunden über unsere Gründungsidee gesprochen. Sie alle fanden diese Thematik sehr interessant. Es hilft uns außerdem im Austausch mit anderen Tierbesitzern zu sein, um herauszufinden, wie und wo sie ihre Tiere adoptiert haben und ob es Hürden gab.“ Den beiden Frauen ist anzumerken — das Thema lässt sie nicht los und sie könnten stundenlang über ihre Leidenschaft für die Vierbeiner und den Tierschutz reden. Lüdenbach lächelt: „Es ist ein Thema, über das man gerne spricht, mit dem man andere begeistern kann.“ Denn für viele würden Haustiere mit zur Familie gehören und viele schöne Erinnerungen mit sich bringen.

GRENZEN ERKENNEN

Die Aufgaben hat das Duo klar definiert, denn aufgrund ihrer unterschiedlichen Stärken ergänzen sich die Gründerinnen prima. Während Lisa Schmidt für das Design, den Aufbau der Website sowie technische Probleme zuständig ist, bespielt Isabel Lüdenbach den Instagram-Kanal und die Blogbeiträge der Website. Organisatorisches erledigen beide zusammen. „Man muss sich auch Grenzen eingestehen“, erklärt Schmidt. In vieles würde sie sich reinfuchsen, aber manchmal sei es besser, die Arbeit an jemanden abzugeben, der sich damit wirklich auskenne.

„AUCH DIE GROßEN HABEN MAL KLEIN ANGEFANGEN“

Eine Gründung ist oft mit Stress und viel Zeit verbunden, das hat auch Lüdenbach gespürt: „Es war schon viel auf einmal — die Gründung und die Bachelorarbeit. Ich habe mich teilweise schon gefragt: ‚Wie will ich das alles unter einen Hut bekommen?‘.“ Auch Schmidt stand vor einer Herausforderung: „Die Zeit, in der man noch nicht wusste, ob man die Förderung bekommt, war schon ziemlich aufreibend.“ Der Vergleich mit ähnlichen Plattformen habe die beiden zusätzlich verunsichert, aber nicht daran gehindert, ihre Idee zu verfolgen. „Auch die Großen haben mal klein angefangen, dann können wir das auch“, sagt Schmidt selbstbewusst. Für die beiden sei es wichtig, sich immer daran zu erinnern, wofür man mit seiner Idee stehe und sich dies immer wieder vor Augen zu führen. „Wir machen das für den Tierschutz. Wir wollen diesen verbessern und die Situation in den Tierheimen vereinfachen. Das ist ein schönes Ziel, auf das man hinarbeitet“, betont Lüdenbach.

GRÜNDEN, UM ETWAS ZU BEWEGEN

Wenn man eine Idee habe, sollte man diese verfolgen, da sind die beiden sich einig. „Gründen sollte nicht aus dem Bedürfnis heraus entstehen, Geld zu verdienen, sondern etwas in seinem Umfeld zu bewegen — etwas zu ändern“, erklärt Lisa Schmidt. „Ich hätte es schlimm gefunden, wenn ich es nicht gewagt und mich in ein paar Jahren gefragt hätte, was hätte sein können“, erläutert Lüdenbach ihre Entscheidung für die Mitgründung von Findus & Foster.

Aktuell arbeiten die Gründerinnen noch von Zuhause aus, da Lisa Schmidt aus Bielefeld kommt und Isabel Lüdenbach in Bonn wohnt. Für die Zukunft wünschen die Freundinnen sich ein eigenes Büro, in dem sie sich austauschen können. „Wenn man zusammensitzt, ist der kreative Drive viel stärker und man kann sich gegenseitig noch einmal mehr unterstützen“, betont Schmidt. Eins steht für die Gründerinnen von Findus & Foster aber fest: Sie wollen weiter wachsen und möglichst vielen Tieren ein schönes Zuhause vermitteln.

Emma Sudek

     

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