Ostwestfälische Wirtschaft

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Im Porträt

Die Vernetzte

Women Empowerment, Netzwerk-Skills, Sichtbarkeit – all diese Schlagwörter nehmen eine besondere Bedeutung im Leben von Janina Ostendorf ein. Und zahlen auf ihr im Oktober 2023 gegründetes Unternehmen JULES ein. Persönliche Beziehungen und neue Verbindungen sind es, die der 45-Jährigen am Herzen liegen. In ihrer Beratungsleistung begleitet sie Firmen, NGOs, öffentliche Institutionen und Privatpersonen dabei, ihre strategischen Partnerschaftenauf- und auszubauen, damit diese einen nachhaltigen Mehrwert generieren. Die Gründerin glaubt fest daran, dass jede und jeder netzwerken und damit einhergehende Sichtbarkeit lernen kann: „Netzwerken ist der Soft Skill der Zukunft, ermöglicht Wachstum, Innovationskraft und Stabilität. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels sind Kontakte zu Talenten entscheidend und tragen dazu bei, die Arbeitgeber-Attraktivität zu steigern.“

FARBE BEKENNEN

Wenn man auf Janina Ostendorf trifft, wird es bunt: ob pink, knalliges gelb oder orange — die Gründerin fällt auf, durch ihre farbenfrohen Outfits, ihre markantenBrillen und ihren Kurzhaarschnitt. Dahinter verbirgt sich eine sehr bewusste Entscheidung, man könnte es auch ein bewusstes Motto nennen — Farbe bekennen,um gesehen zu werden. „Sichtbarkeit ist nicht nur für Führungskräfte relevant, sondern auch für Nachwuchskräfte ein karriereentscheidendes Kriterium. Wer heute nicht übt, sichtbar zu sein, wird morgen nicht führen“, so ihre Überzeugung. Mithilfe ihrer Trainings möchte sie Mitarbeitende, Gründerinnen und Gründer oder Privatpersonen dahin bringen, sich optimal aufzustellen. Ihre Empfehlung: „Gerade KMUs oder Firmen, die keine spezielle Position für Personal­marketing oder Employer Branding haben, rate ich: Nutzen Sie LinkedIN, nicht nur als Recruitingkanal, sondern vor allem für die Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber. Empowern Sie Ihre Mitarbeitenden zur Online-Sichtbar­keit, denn jeder Beschäftigte ist ein Arbeitgebermarkenbotschafter. Dieses Potenzial sollten Sie nicht ungenutzt lassen, denn wer könnte authentischere Einblicke in die Arbeitswelt geben?“

FAIBLE FÜRS NETZwERKEN

Der Lebenslauf von Janina Ostendorf ist ein eher klassischer: Nach Abitur im Sauer­land und einer Ausbildung zur Industriekauffrau schloss sich ein BWL-Studium an der FAU Erlangen-Nürnberg an, mit den Schwerpunkten Unternehmens­gründung und Entrepreneurship. Es folgte die erste Anstellung bei Deloitte Consulting in Düsseldorf, nach zwei Jahren der Wechsel an die Uni Münster. Von dort ging es für Ostendorf 2012 als Senior Human Resources Manager zu CLAAS nach Harsewinkel: „Acht Jahre war ich dort im Bereich Corporate Employer Branding tätig, habe Talente begleitet und strategische Kooperationen mit nationalen Hoch­schulen auf- und ausgebaut. Schon während dieser Zeit war ich gut vernetzt und habe mein Faible fürs Netzwerken entdeckt.“

NEUES MINDSET DURCH

FOUNDERS FOUNDATION

2021 wechselte die Mutter einer heute neunjährigen Tochter zur Founders Foundation in Bielefeld. Auch hier ging es um die Suche nach Talenten und um Partnership Management: „Durch diese Erfahrungen hat sich mein Mindset geändert, ich habe viele tolle Persönlichkeiten und Role Models kennengelernt“, erzählt Ostendorf. Hier begegnete sie erstmals auch der gebürtigen Bielefelderin Verena Pausder aus der Delius-Familie. Heute lebt die bundes­weit bekannte Unternehmerin in Berlin und ist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Start-ups. Die Beobachtung von Ostendorf: „Mir ist vor allem aufgefallen, dass Frauen in der Gründerszene unterrepräsentiert sind und es ihnen oft an Netzwerk und Sichtbarkeit mangelt.“ So sei auch das erste Format „Female Excellence Circle der Founders Foundation“ entstanden, wo Gründerinnen gezielt mit regionalen Unter­nehmerinnen und Geschäftsführerinnen vernetzt werden. „Frauen netzwerken anders als Männer“, weiß Ostendorf und benennt die Unterschiede: „Für uns Frauen geht es um mehr als nur den Austausch von Visitenkarten. Es geht darum, authentische Beziehungen zu pflegen, die Zusammenarbeit zu fördern und Gemeinschaften aufzubauen, die stärken. Gerade in eher männlich dominierten Branchen wie dem Maschinenbau, der den Mittelstand in Ostwestfalen prägt, ist es wichtig, dass Frauen sich untereinander vernetzen und kennen.“ Dies sei auch ihre Motivation gewesen, Mitglied bei den Managerinnen OWL und im Industrie- und Handelsclub OWL zu werden.

PERSÖNLICHKEITSREISE

Dennoch sei das Unternehmertum für sie nie ein Thema gewesen: „Trotz meines Studienschwerpunktes und der Arbeit in der Gründerszene habe ich selbst nie ans Gründen gedacht“, blickt die Diplom-­Kauffrau zurück. Erst eine Female Empowerment Workation nach Rhodos mit Anfang 40 habe die eigentliche Wende in ihrem Leben gebracht. „Während dieser Me-Time bin ich mir meiner Stärken und Talente bewusst geworden und wofür ich stehen möchte. Hier hat meine Reise in die Sichtbarkeit, also die Reise zu mir selbst, begonnen“, beschreibt Janina Ostendorf ihre persönliche Entwicklung — an deren Beginn die Gründung von JULES stand. Der heutige Firmenname ist der Spitzname, den ihr die anderen Frauen während der Reise gegeben haben. Zunächst gründete sie JULES nebenberuflich zur ihrer Teilzeit-Position als Incubation Managerin bei der Archimedes New Venture, einer Tochterfirma der Bielefelder Böllhoff Group. Dort betreute Ostendorf ein Intrapreneurship Program des Unternehmens. „Zeitgleich habe ich in mein Personal Branding und somit in meine Sichtbarkeit investiert, sowohl offline und online“, erzählt die Unternehmerin. Erfolgreich, denn inzwischen hat sie rund 6.000 Follower auf LinkedIN, wird als Keynote-Speakerin, Moderatorin und für Panels angefragt.

FEMALE EMPOWERMENT

Ein besonderes Anliegen der Gründerin: „Mein Herz schlägt für Female Empowerment und Entrepreneurship, weshalb ich meine Stärken für eine weiblichere Wirtschaftswelt einsetze und nicht müde werde, Frauen und speziell Gründerinnen für das Thema Sichtbarkeit und Netzwerken zu sensibilisieren. Natürlich geht es auch darum, mehr Frauen für eine Gründung zu motivieren, die Komfort­zone zu verlassen und einfach loszulaufen.“ Da wundert es nicht, dass Janina Ostendorf am Mittwoch, 9. April, für die IHK-Veranstaltung „Frauen und Gründung: Zeig Dich! Erfolgsfaktor Sichtbarkeit“ als Keynote-Speakerin gebucht ist. „Es ist immens wichtig, sein Netzwerk zu pflegen, es ist ein Geben und Nehmen. Wenn dein Name in einem Raum genannt wird, obwohl du nicht da bist, dann hat sich dein Invest gelohnt“, macht Ostendorf deutlich.

Ihr geht es auch darum, Vorurteile zu entkräften, die viele Männer und Frauen mit „Frauennetzwerken“ haben. Ein Grund, warum sie beispielsweise seit Juli 2023 — gemeinsam mit Alena Kuhlmeier, Vorstandsvorsitzende des Teuto Seed Club, den „Fast & Curious Circle OWL“hosten: „Hier können wir Themen und Personen Sichtbarkeit verleihen und aktiv zur Vernetzung in der Region beitragen.“ Grundlage sei der Circle Aufruf im gleichnamigen Podcast „Fast & Curious“von Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer, der sowohl von Frauen als auch Männern gehört werde. „Bei unseren Treffen sind meist Frauen zu Gast und dank unseres Netzwerks können wir auf Top-Speakerinnen und Top-­Speaker zurückgreifen“, freut sich Ostendorf, so dass „die Meetups zu einem Female Networking Highlight avanciert“ seien.

„GRÜNDEN IST EIN AUF UND AB“

Nicht verhehlen will die Unternehmerin, dass die Gründerinnen-Reise ein ständiges Auf und Ab ist: „Es gibt Momente,die dich zweifeln lassen. Du musst dein WHY kennen und an dich glauben. Negative Erfahrungen sind kein Scheitern, sondern Entwicklungsschritte auf dem Weg zum Erfolg. Denn eine Gründung macht etwas mit dir: du entwickelst neue Fähigkeiten, musst selbstbewusst deinen Wert einfordern und lernen, auch Nein zu sagen.“ Aktuell macht Ostendorf eine Speaker-Ausbildung: „Meine Vision ist es, Menschen im DACH-Raum mit meiner Botschaft zu inspirieren, zu connecten und zu empowern.“ Ein weiterer Beweis, dass ihre Reise noch längst nicht zu Ende ist: „Ich habe meine Berufung gefunden und werde immer mehr zu mir selbst.“

Silke Goller

     

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