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Titelthema

Viele Möglichkeiten vorhanden

Indien ist für deutsche Firmen kein neuer Markt. Bestimmte Waren und Dienstleistungen beziehen sie schon seit längerer Zeit von dort, beispielsweise chemische Erzeugnisse, Pharmazeutika, Textilien und Leder sowie Elektronik und Elektrotechnik. Auch andere Branchen sind für deutsche Einkäufer aber einen Blick wert. Germany Trade & Invest hat aktuelle Entwicklungen auf dem Subkontinent untersucht und gibt einen kurzen Überblick über Beschaffungschancen über die genannten Branchen hinaus auch in den Bereichen Metall, Nahrungsmittel, Kunststoffe und IT-Dienstleistungen.

Metall

Indien ist nach China der zweitgrößte Stahlhersteller der Welt. Im Bereich der Spezialstahlherstellung gibt es aber noch erhebliches Wachstumspotenzial. Die indische Regierung unterstützt die Branche mit finanziellen Anreizen, den sogenannten „Production Linked Incentives“. Die Metallverarbeitungsbranche in Indien besteht hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen, nur circa zehn Prozent sind Großunternehmen. Rund ein Viertel des Branchenumsatzes von etwa 20 Milliarden US-Dollar wird durch Exporte erzielt. Die Kapazitätsauslastung liegt bei rund 80 Prozent, bei kleinen Gießereien jedoch nur bei 50 Prozent. Der Anteil der Exporte nach Deutschland wächst, insbesondere in der Automobilbranche, die etwa ein Drittel der indischen Gießereiprodukte abnimmt.

Textil & Leder

Indien gehört zu den Top-10 Lieferanten Deutschlands für Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. Im Vergleich zu China, Bangladesch und Vietnam hat Indien jedoch oft das Nachsehen, da diese Länder günstiger und qualitativ besser produzieren. Die indische Regierung plant, die Exporte von Textilien und Bekleidung bis 2030 auf 100 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen. Indien deckt fast die gesamte Wertschöpfungskette in der Textil- und Lederindustrie ab und möchte diesen Vorteil durch bessere Integration nutzen. Das Land will auch nachhaltiger produzieren und investiert in umweltschonende Verfahren.

Nahrungsmittel

Der Agrarsektor trägt etwa 17 Prozent zur Wirtschaftsleistung Indiens bei und beschäftigt rund 43 Prozent der Arbeitskräfte. Unterschiedliche Böden und klimatische Bedingungen ermöglichen den Anbau diverser Lebensmittel das ganze Jahr über. Indien gehört bei der Produktion vieler Lebensmittel zur Weltspitze, darunter Weizen, Reis und Hülsenfrüchte. Die Produktion dient hauptsächlich der Eigenversorgung, während einige höherwertige Lebensmittel wie Mangos oder Tee exportiert werden. Die Lebensmittelverarbeitung ist noch wenig entwickelt, was zu hohen Verlusten führt. Die Regierung fördert daher die Verarbeitung und den Ausbau von Kühlkapazitäten.

Chemie

Die Chemiebranche ist ein bedeutender Industriezweig in Indien, in dem 90 bis 100 Prozent der Wertschöpfung auf Unternehmen im formellen Sektor entfallen. Das ist für das Land ein ungewöhnlich hoher Wert. Es gibt etwa 11.000 Fabriken, die ein breites Sortiment an chemischen Produkten herstellen, darunter Grundchemikalien, Pestizide, petrochemische Erzeugnisse, pharmazeutische Produkte, Farben und Lacke. Die Clusterregionen Gujarat, Maharashtra und Tamil Nadu sind gut angebunden und verfügen über eine effektive Transportinfrastruktur. Deutschland importiert insbesondere organische Chemikalien, Arzneimittel, Farben, Lacke und Kunststoffe in Primärform aus Indien.

Pharma

Indien liegt im Pharmabereich weltweit auf Platz 14 nach Produktionswert und auf Platz drei nach Produktionsmenge. Etwa die Hälfte der Produktion wird exportiert. Experten erwarten in den kommenden Jahren eine deutliche Produktionssteigerung, die auch den Export fördern wird. Es gibt rund 3.000 Pharmaunternehmen mit über 10.000 Produktionsstätten, hauptsächlich kleine und mittelgroße Betriebe, die 30 bis 40 Prozent der Produktion ausmachen. Zu den großen Unternehmen zählt beispielsweise das Serum Institute of India, der weltweit mengenmäßig größte Impfstoffhersteller. Viele Firmen befinden sich im Süden und Westen des Landes. Indien produziert etwa 20 Prozent der weltweit hergestellten Generika und 60 Prozent der Impfstoffe. Die Regierung fördert die Herstellung aktiver pharmazeutischer Wirkstoffe und anderer Grundstoffe durch Subventionen.

Kunststoffe

Die Größe der indischen Kunststoffindustrie ist schwer zu erfassen, da 90 bis 95 Prozent der Unternehmen kleine und mittlere Betriebe sind, oft im informellen Sektor. Im Finanzjahr 2021/2022 (1. April bis 31. März) gab es 660 Betriebe für synthetischen Kautschuk und Kunststoffe in Primärform, fast 12.500 für Plastikwaren und etwa 2.300 für Gummiwaren. Rund 3.500 Unternehmen sind im Export aktiv. Die Kapazitätsauslastung liegt bei 50 bis 60 Prozent. Unternehmen können die Produktion bei steigender Nachfrage aber erhöhen. In Indien besteht im Kunststoffsektor eine Abhängigkeit von ausländischen Vorprodukten, wobei Investitionen eher in Zwischen- und Endprodukte fließen, unterstützt durch Subventionen der Bundesstaaten.

Informationstechnologie

Der Dienstleistungssektor trägt fast 50 Prozent zur Wirtschaftsleistung Indiens bei und bietet einem Drittel aller Beschäftigten im Land Arbeit. Deutschland kauft auch Dienstleistungen in Indien ein, hauptsächlich im IT-Bereich. Multinationale Unternehmen nutzen Global Capability Centers in Indien. Diese zentralisieren Betriebsabläufe wie Finanzen, IT und Personal, standardisieren Prozesse und fördern Innovationen. Anfang 2025 gab es rund 1.950 dieser Zentren in Indien. Der Dienstleistungseinkauf ist meist unkomplizierter als die Beschaffung von Gütern, jedoch müssen deutsche Unternehmen oft auf Englisch kommunizieren. Einige IT-Dienstleister in Indien bieten auch deutschsprachige Kommunikation an.

Elektronik / Elektrotechnik

Indien will die Abhängigkeit von China bei wichtigen Produkten wie Mikrochips und Halbleitern verringern. Zudem will das Land die lokale Produktion von Elektronik und Elektrotechnik ausbauen, um die heimische Industrie zu versorgen und als alternativer Beschaffungsmarkt zu dienen. Wichtige Produktgruppen sind hier Stromkabel, Schaltanlagen, Transformatoren und Kondensatoren. Vor allem die großen indischen Hersteller investieren in die Entwicklung neuer Produkte. Das technische Niveau der in Indien gefertigten Elektrotechnikausrüstung soll in den nächsten Jahren weiter steigen. Indien steigt auch in die Halbleiterproduktion ein und plant hier mehrere Projekte. Einige davon befinden sich bereits im Bau. Die Regierung unterstützt diese Projekte mit Fördermitteln im Rahmen der „India Semiconductor Mission“.

Kontakt

Mareen Haring

Germany Trade & Invest

Süd-/Südostasien

Tel.: +49 (0)15118052399

E-Mail: mareen.haring@gtai.de

 

 

 

Mehr Infos in der Broschüre „Sourcingchancen in Indien – Branchenüberblick für Einkäufer“

     

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