Im Porträt
Der Zeitbringer
Die neue OWi-Serie „Start-up“ stellt technologieorientierte Gründungen vor. In dieser Folge beschreibt Gründer Markus Felk aus Bielefeld seine digitale Lösung, die dabei helfen soll, Dokumentationsarbeit zu reduzieren. Seinem Start-up hat er den Namen Momontum gegeben. Sein Ziel – Schluss mit der Zettelwirtschaft zu machen.
Gründer und Geschäftsführer Markus Felk ist studierter Sozialarbeiter und hat einige Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Forschung gearbeitet. „Die bürokratischen Anforderungen an die teilweise tägliche Dokumentation der Pflege- und Betreuungstätigkeiten waren immer sehr aufwendig“, berichtet er aus eigener Erfahrung. Deshalb möchte Felk den Arbeitsalltag in sozialen Einrichtungen durch digitale Lösungen effizienter gestalten und dabei die Dokumentationsarbeit reduzieren, um mehr Zeit für die praktische Arbeit mit Klienten zu ermöglichen. Damit erreicht er derzeit schon etwa 500 Nutzer.
MEHR FREIRAUM SCHAFFEN
Neben dem bisherigen hohen bürokratischen Aufwand bestünde laut Markus Felk nur eine geringe Transparenz für die betroffenen Jugendlichen selbst. Durch die digitale Lösung entstünde nun mehr Freiraum für die eigentliche persönliche Betreuung. Ziele für die geplanten Maßnahmen ließen sich mit der entwickelten Software erfassen und die Schritte dorthin verfolgen. Solche Ziele können sich auf den Schulbesuch, die Elternkontakte oder die Bindung zu den Erziehern beziehen.
„Mit der Anwendung kodoku.app ist es möglich, für Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe vollständig digital zu dokumentieren“, beschreibt der Gründer die Lösung, „Ziel- und hilfeplanorientierte Aufgaben, Notizen sowie Querverweise zu wichtigen Dokumenten sorgen dafür, dass keine Information mehr verloren geht.“ Die mobile Anwendung erlaube es jederzeit, von überall auf das System zuzugreifen, so dass auch außerhalb der Einrichtung stets alle wichtigen Informationen zur Verfügung stünden. Arbeits- und Dienstpläne können erfasst werden. Das erspare Nachfragen und Diskussionen.
Mit der App können Kinder und Jugendliche gegebenenfalls in die Dokumentation eingebunden werden. „Sonst besteht oft die Gefahr, dass die Betroffenen schlechtgeredet werden“, weiß Felk.
SOFTWARE WIRD WEITERENTWICKELT
Obwohl es schon eine moderne Digitalisierungslösung darstelle, werde kodoku weiterentwickelt: Wie viele Softwarelösungen soll ab September eine künstliche Intelligenz die Arbeit in den Einrichtungen weiter vereinfachen. Für die hochsensiblen Daten werde die Version derzeit intensiv mit Datenschutzexperten abgestimmt. Für den ersten Einsatz sucht das Start-up noch Testkunden. Einige neue Features sollen dann die Unterstützungen bei der Medikation sowie der Abrechnung sein. Eine Speech-to-Text-Funktion soll es den Betreuerinnen und Betreuern ermöglichen, die täglich anfallende Dokumentation zu den Klienten unkompliziert in das System einzugeben.
FESTE KOOPERATIONSPARTNER AN BORD
Markus Felk ist in seinem Start-up ein Einzelkämpfer oder moderner gesagt: Soloselbständiger. Er hat deshalb für die Umsetzung der Geschäftsidee mit der Bielefelder taplab GmbH einen kompetenten IT-Partner eingebunden. Als feste Kooperationspartner haben sich die Programmierer schon intensiv in die
Herausforderungen der Jugendhilfe eingearbeitet.
Nach der erfolgreichen Digitalisierung der Dokumentation bei seinen Kunden ist die Weiterleitung der Daten zu den Jugendämtern noch eine große Hürde, um den Prozess vollständig zu digitalisieren. „Leider bestehen in den Verwaltungen keine einheitlichen Schnittstellen“, berichtet der Gründer, „monatliche Leistungsnachweise müssen sogar noch per Papier verschickt werden“. Kunden von Momontum sind soziale Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe.
ZEITRÄUBERN DEN KAMPF ANSAGEN
In der ersten Phase hat das junge Unternehmen Förderung vom NRW.Gründerstipendium erhalten. Außerdem hat sich der zu Grunde liegende Businessplan für die Top 10 des OWL-Businessplanwettbewerbs „startklar OWL“ qualifiziert. Der Stifterverband hat Markus Felk durch seine Förderung für zivilgesellschaftliche Digitalisierungsvorhaben unterstützt.
Zwei Fragen stellen die Kunden oft:
Wofür steht Momontum? Und: wofür steht kodoku? „Bei kodoku ist das noch einfach“, erklärt Markus Felk, „es steht für Kommunikation und Dokumentation“. Bei Momontum sei das etwas schwieriger: Hier hat sich der Gründer an den Roman „Momo“ von Michael Ende angelehnt. Denn er hat das gleiche Ziel wie Momo: den Zeiträubern den Kampf ansagen.
Uwe Lück, IHK



