Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 1/2022DruckenZurück
Erfinder Dalhaus präsentiert beheizbares Endlosband für Industrie
Der Hüllhorster Erfinder Ludwig Dalhaus hat sich Gedanken darüber gemacht, wie beheizte Transportbänder die Produktionskosten für die Industrie günstiger und energieeffizienter machen können. Sein Konzept dazu ist schon weit gediehen.
In zahlreichen Industriebereichen sind Bandpressen und Transportbänder tagtäglich im Einsatz. Unternehmen der Holzindustrie stellen damit etwa Spanplatten her. In Großbäckereien laufen die Teiglinge auf Stahlbändern durch den Ofen und mithilfe von Wärmezufuhr lässt sich auf Transportbändern auch Trockenobst herstellen. Aus welchen Werkstoffen ein Transportband hergestellt wird, hängt ganz von dessen Einsatzzweck ab. Der Hüllhorster Erfinder Ludwig Dalhaus hat Ende 2025 seine Weiterentwicklung eines Endlosbandes präsentiert, das die Produktion in vielen Bereichen einfacher und kostengünstiger machen könnte — und zwar immer dann, wenn Wärme gefragt ist. Seine Bezeichnung dafür lautet CPB, also Continuous Process Belt.
„Bänder, die Gegenstände transportieren und Wärme in den Produktionsprozess einbringen, gibt es viele. Aber bei den meisten steckt die Heizung in der Walze“, erläutert Dalhaus. Das sei kompliziert und könne seiner Aussage nach dadurch bis zu 180.000 Euro pro Anlage kosten. Und bei Bandpressen, die nach dem isobaren Drucksystem arbeiteten, benötige man zusätzliche Primär- und Sekundärkreisläufe plus Wärmetauscher sowie Heizplatten. „Wobei man das komplette Verrohrungssystem auch nicht vergessen darf“, erklärt Dalhaus. Alles in allem machten diese Bauteile nach seinen Erfahrungen rund ein Drittel des Preises einer solchen Anlage aus.
„Ich brauche das alles nicht“, betont der Erfinder, „denn bei meinem Produkt steckt die Heizung direkt im Band“. Der inzwischen 79-jährige Rentner war von 1977 bis 2009 bei der Bielefelder Firma Hymmen in der Entwicklungsabteilung und als Projektleiter zuständig. In dieser Zeit hat er nach eigenen Angaben etwa 180 bis 200 Bandpressen konzipiert und die Systeme vom ersten Versuch bis zur Übergabe betreut. Im Ruhestand legte er schon ab 2012 den Grundstein für die heute vorgestellte Erfindung. Und bis 2014 entwickelte er gemeinsam mit einem österreichischen Hersteller seine Idee namens CPB als Endlosband. Das Unternehmen habe dabei auch das erste Patent 2014 gekauft und eine Heizmöglichkeit auf der gesamten Bandfläche implementiert.
Beim Ausräumen seines Kellers und der Durchsicht der alten Unterlagen kam Dalhaus dann im Dezember 2024 eine Idee, wie man das Produkt perfektionieren könnte. Er mietete sich im Detmolder Gilde-Zentrum ein und entwickelte die Idee gemeinsam mit Partnerunternehmen weiter. „Im Mai darauf haben wir die Idee der Fachwelt vorgestellt“, erinnert er sich. Doch manchmal sei es für eine Erfindung zu früh, so seine Erfahrung. „In meinem Fall ist es aber genau der richtige Zeitpunkt gewesen“, ist Dalhaus überzeugt. Und besonders heute, wo immer auch auf den ökologischen Fußabdruck geachtet werde, komme sie gerade recht. „Meine Heizung kann etwa den Energiebedarf um rund 70 Prozent verringern. Außerdem wird der Maschinen- und Anlagenbau einfacher, und die Herstellungskosten sinken um 40 bis 60 Prozent“, wie der Entwickler betont. Ein weiterer Vorteil sei die sehr feine, stufenlose Regelbarkeit der Heizleistung, was für den gesamten Bereich des Transportbands gelte. Das Temperaturspektrum lasse sich dabei von 20 bis 260 °C variieren.
Sogar eine gelochte Heizfläche ist laut Dalhaus möglich, ohne die gewünschte Funktion zu beeinträchtigen. „Oft müssen in der Produktion Gase oder Dämpfe abgeführt werden“, merkt er dazu an. Dann spiele ein gelochtes Transportband seine Trümpfe aus.
Kürzlich habe er im Gilde-Zentrum auf seinem Versuchsaufbau bereits verschiedene Werkstoffverbindungen getestet. Dalhaus: „Ein Band besteht in der Regel aus vier bis fünf Schichten unterschiedlicher Materialien, die miteinander verklebt sind — darunter befinden sich auch die speziellen Heizelemente. Die werden entsprechend den Anforderungen der Kunden entwickelt“, erklärt Dalhaus.
Der Erfinder sieht neben der Holzindustrie auch Anwendungsmöglichkeiten in der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie in der Chemie-, Lebensmittel- und Möbelbranche. Der Medizintechnik könnte das System ebenfalls dienen — praktisch immer dann, wenn man es mit kontinuierlichen Prozessabläufen zu tun habe.
Wann sein Produkt letztendlich auf den Markt kommt, hängt davon ab, wann der erste Kooperationspartner oder sonstige Interessent zugreift. Er ist übrigens sehr zuversichtlich, dass das bald geschieht. „Der Entwicklungsstand bis zum marktreifen Produkt beträgt aktuell bereits rund 70 Prozent“, schätzt der Tüftler, „die 100 erreichen wir bald.“
Jörg Deibert und Uwe Lück, IHK