Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 1/2022DruckenZurück


Politik und Standort

Die digitale Transformation aktiv gestalten

INTERVIEW Andreas Lühmann von der OstWestfalenLippe GmbH berät und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, Fördermittel für die „Initiative Neue Qualität der Arbeit“, kurz INQA, zu beantragen. Der Erstberater weiß, wie wichtig es für KMU ist, sich dem Transformationsprozess zu stellen. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu stärken, Digitalisierungsprozesse zu beschleunigen oder die Organisation der Arbeit neu zu denken. Er zeigt Wege auf, wie INQA-Coaching dabei helfen kann.

Herr Lühmann, welche Unternehmen nutzen Ihr Angebot?

Kleine und mittlere Unternehmen aller Branchen und Größen aus NRW wenden sich mit der Bitte an mich, sie bei einer INQA-Förderung zu unterstützen. Oft haben diese bereits mit einem zertifizierten INQA-Coach gesprochen und erste Ideen, was sie im Coaching machen möchten.

Wie ist die weitere Vorgehensweise? 

In einem ersten Gespräch kläre ich gemeinsam mit dem Unternehmen, ob es die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt. Zudem sprechen wir über dessen Idee und wie der Coach dabei unterstützen kann. Sind alle Kriterien zur Förderung erfüllt, vereinbaren wir einen Termin, der rund eine Stunde dauert. Dort sprechen wir über die geplanten Themen, die Vorgehensweise und die Abwicklung der Förderung. Diese erfolgt durch die Datenbank Zeus, dabei unterstütze ich die Unternehmen. Anschließend gebe ich das Projekt frei und das Coaching kann beginnen. Nach Ende des Coachings rechnet das Unternehmen die Förderung mit dieser Datenbank ab und erhält die Auszahlung.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen der Förderung?

INQA-Coaching ist mit einer klar strukturierten agilen Vorgehensweise im Unternehmen verknüpft. Die Firmen müssen zwei Teams bilden, den Lenkungskreis und das Labteam, die in drei aufeinander folgenden Arbeitsphasen die gewählten Themen abarbeiten. Diese Vorgehensweise hat sich in vielen Unternehmen bewährt und kann sehr gut funktionieren. Einige müssen das erst einmal üben und brauchen etwas Zeit, um den positiven Nutzen zu erleben. Die Datenbank Zeus, mit der die Förderung abgewickelt wird, ist ein wenig kompliziert und nicht immer selbsterklärend. Hier greifen wir helfend ein, so dass bisher jedes Unternehmen diese Hürde genommen hat.

Wie wirkt sich das INQA-Coaching in den Unternehmen aus?

Nach Auszahlung der Förderung führen wir mit den Unternehmen Abschlussgespräche und erhalten sehr gute Rückmeldungen. Die meisten Teilnehmenden sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und berichten uns, dass sie mit dem Coaching wichtige Themen in den Blick genommen, viele Ziele erreicht und entscheidende Schritte veranlasst haben. INQA-Coaching kann wirken, so unser gemeinsames Fazit. Seit Start im Jahr 2023 haben bundesweit fast 3.000 Unternehmen INQA-Coaching für sich nutzen können. Die Zufriedenheit mit dem Coaching, den Ergebnissen, der Beratung und der Abwicklung ist dabei sehr hoch.

Silke Goller

TERMIN

INQA-Coaching – die digitale Transformation aktiv gestalten; „Umsetzungsbeispiele aus der Praxis – Förderung nutzen“ – so lautet der Titel einer Gemeinschaftsveranstaltung, die die IHK Ostwestfalen gemeinsam mit der OstWestfalenLippe GmbH veranstaltet. Die Online-Veranstaltung findet am Mittwoch, 25. März, von 10.00 bis 12.00 Uhr, statt. Die INQA-Coaches Thomas Drees, Rolf Klas­hinrichs und Andreas Lühmann berichten, wie sie Unternehmen und deren Mitarbeitende dabei unterstützen, das Förderprogramm gewinnbringend zu nutzen. Im Fokus stehen Beispiele aus der Unternehmenspraxis.

So hat die V.D. Elektrotechnik GmbH mit INQA-Coaching die Digitalisierung sämtlicher Organisations- und Arbeitsprozesse priorisiert, die Nutzung des vorhandenen ERP-Systems deutlich erhöht sowie die Arbeitsabläufe und Schnittstellen anwenderfreundlich gestaltet. Die Herausforderungen des Arbeitsalltags wie Kompetenz- und Wissensvermittlung, Nutzung von Hard- und Software wurden unter Beteiligung der Mitarbeitenden deutlich verbessert. „Das Zeitmanagement und die Bereitschaft der Beschäftigten, die Lösungen auch umzusetzen und beizubehalten sind nun ein Garant für unsere weitere Entwicklung. Die Belegschaft beteiligt sich mittlerweile deutlich aktiver an den andauernden Transformationsprozessen“, gibt Prokurist und Geschäftsführer Alexander Racky einen ersten Einblick.

Auch Michael Gerber, Geschäftsführer der gerberCom. WERBEAGENTUR GmbH, berichtet von positiven Prozessen und Ergebnissen: „Das Rollenmodell des INQA-Coachings und die klare Vorgehensweise im Unternehmen sind viel besser aufgenommen worden als wir es erwartet hätten. Die Mitarbeitenden haben es umgehend in die tägliche Arbeit integriert, aufgrund der Eigendynamik hat es schnell zu sehr guten Ergebnissen geführt. Die im Coaching geforderte Struktur aus der Zusammenarbeit eines Lenkungs- und eines Lab-Teams passte wunderbar zu den Themen unseres Unternehmens.“ So seien die vom Lenkungskreis vorgegebenen Aufgaben vom Lab-Team zügig in praxisnahe Lösungsvorschläge umgesetzt und viele weitere gute Ideen entwickelt worden — inzwischen sei das Model fest etabliert und werde im Unternehmen weiterhin genutzt.

 

HINTERGRUND

Was ist INQA-Coaching?

INQA-Coaching ist eine Förderung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. INQA steht für „Initiative Neue Qualität der Arbeit“. Kleine und mittlere Unternehmen können mit Unterstützung eines zertifizierten Coaches zu folgenden Themen arbeiten:

Der Fokus im INQA-Coaching liegt stark auf Beteiligung der Beschäftigten — es geht darum, gemeinsam mit dem Coach Lösungen zu entwickeln.

Wer kann INQA-Coaching nutzen?

Wie gestaltet sich der Ablauf?

Was wird gefördert?