Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 1/2022DruckenZurück
Die Zahlen sind alarmierend: Während globale Unternehmen im Jahr 2010 durchschnittlich 1,8 regulatorische Änderungen pro Tag bewältigen mussten, sind es heute 11,2 — mit einer Prognose von bis zu 23,5 Änderungen täglich bis 2030. Das Versprechen vom „Bürokratieabbau“ steht zwar seit Kohl in jedem Koalitionsvertrag, doch faktisch wächst die Zahl der Verpflichtungen mit jeder Legislaturperiode weiter. In einer Zeit des demographischen Wandels ist dieser Flut händisch nicht mehr beizukommen. Doch statt in Resignation zu verfallen, lohnt ein Blick auf das, was wir eigentlich schützen wollen.
Begriffe wie „Rule-based Order“ oder Rechtsstaatlichkeit wurden lange als selbstverständlich hingenommen oder leichtfertig in den „Das ist doch alles nur Bürokratie“-Topf geworfen. Regeln nerven und verlangsamen, das ist ein Teil der Wahrheit. Aber sie sind eben auch die hart erkämpften Leitplanken unseres Zusammenlebens. Die Krux ist: Regeln engen ein, aber ohne sie fehlt uns der Halt. Die Aufgabe unserer Zeit ist es daher, das Pendel technologisch in Richtung Segen ausschlagen zu lassen. Innovation muss schlicht schneller sein als Bürokratie.
Ein Beispiel für diesen Befreiungsschlag ist das Bielefelder Startup Sustaind. Sie haben 110 nationale Gesetzesdatenbanken in einem zentralen Service konsolidiert und ermöglichen ein tagesaktuelles Monitoring für Märkte, Produkte und Unternehmen. Der entscheidende USP: Die KI erkennt automatisch die Relevanz für das jeweilige Geschäftsmodell, gleicht Dokumente ab und identifiziert wirksame Verpflichtungen direkt. Genau deshalb wird Sustaind heute bevorzugt als digitales Rechtskataster gewählt, um die komplexen Normanforderungen der ISO-Standards rechtssicher zu erfüllen oder die regulatorische Prüfung von Produkten in neuen Auslandsmärkten zu beschleunigen. Das schafft Raum für echten Fortschritt — begründet in Regeln, aber nicht durch sie limitiert.
Weitere Informationen unter: