Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 1/2022DruckenZurück


Unternehmen + Märkte

JAB ANSTOETZ plant vier Prozent Wachstum im Jubiläumsjahr

Zuhause-Experten

Es ist ein doppelter Firmengeburtstag, den die in Bielefeld ansässige „JAB ANSTOETZ Group — The Design Company“ in diesem Jahr feiern kann: Die Unternehmensgruppe wurde vor 80 Jahren von Josef Anstoetz als Großhandel für Dekorations- und Möbelstoffe gegründet. Vor 70 Jahren wurde das Angebot um Polstermöbel ergänzt und die Manufaktur BW Bielefelder Werkstätten ins Leben gerufen. Gefeiert wird in diesem Jahr unter dem Motto „80 Colorful Years“. Aktuell wird das Familienunternehmen von Claus und Stephan Anstoetz sowie Chris-Jacob Schminnes geleitet. „Farbe und Raumstimmung sind untrennbar miteinander verbunden. Die Farbvielfalt unserer Sortimente gehört zur DNA von JAB ANSTOETZ und zieht sich wie ein roter Faden durch unsere 80-jährige Geschichte“, erläutert Claus Anstoetz das Jubiläumsmotto. Das Unternehmen biete beispielsweise 3.000 dekorative Stoffqualitäten in 35.000 Farben an, habe 85 Möbelmodelle im Programm, 3,2 Millionen Meter Stoff im Lagerbestand sowie im Bereich Teppich 81 Artikel in 933 Farben im Angebot. JAB ANSTOETZ ist in über 80 Ländern vertreten und hat weltweit 23 eigene Ausstellungsräume — der in Hamburg ist in diesem Jahr dazugekommen. Das Produktportfolio besteht zusätzlich zu Möbel- und Dekorationsstoffen sowie Polstermöbeln noch aus Tapeten, Sicht- und Sonnenschutz, Akustiklösungen, Polsterbetten, Teppichen, Teppichböden sowie LVT-Designbelägen.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 310 Millionen Euro und will weiter expandieren: „Wir haben für 2026 ein Wachstum von vier Prozent geplant und im Moment sind wir erfreulicherweise auf Kurs, obwohl uns die allgemeine Gesamtlage und Stimmung im Markt nicht unbedingt Rückenwind gibt. Aufgrund unserer guten Positionierung im Markt gehen wir auch die kommenden Jahre optimistisch an, hoffen jedoch, dass insbesondere die Bautätigkeit in Deutschland wieder zunimmt und die allgegenwärtige Bürokratie abnimmt. Über alles hoffe ich natürlich sehr, dass die weltweiten Konflikte wieder stärker durch den Dialog statt durch Konfrontation gelöst werden“, sagt Claus Anstoetz. 

Von den weltweit 1.600 Mitarbeitenden sind zirka 800 in Bielefeld und Herford-Elverdissen tätig. Rund 50 junge Erwachsene würden in den Berufsfeldern Kauffrau und Kaufmann, Handwerk, IT und Mediengestaltung ausgebildet. „Ich freue mich, dass wir unsere Wurzeln in der Region pflegen und zugleich als international agierender Arbeitgeber wahrgenommen werden“, ergänzt Stephan Anstoetz. 

Der Exportanteil am Gesamtumsatz im Living-Bereich betrage 60 Prozent. Auf die Frage, welche Bedeutung angesichts dieser Quote speziell der deutsche Markt für die weitere Geschäftsentwicklung spielt, antwortet Claus Anstoetz: „Der deutsche Markt hat bei uns immer höchste Priorität. Hier liegen unsere Wurzeln, hier sind wir Marktführer, und von Ostwestfalen aus treiben wir seit Jahrzehnten unser Wachstum in Deutschland und weltweit voran.“Die Internationalisierung begann 1969, damals wurde die erste ausländische Tochter in Paris gegründet. 1974 kamen Teppiche zum Sortiment hinzu und 2010 wurde der Golfsportfachhändler GolfHouse übernommen.

Ein weiterer wichtiger Baustein im Jubiläumsjahr ist der Markenrelaunch von BW Bielefelder Werkstätten zu BW Bespoke Works. Durch den Relaunch „wird internationaler präziser benannt, wofür die Marke seit jeher steht: maßgeschneiderte Lösungen, meisterhafte Fertigung, außergewöhnlicher Komfort und eine moderne gestalterische Handschrift“, so Claus Anstoetz. Die Neuausrichtung übersetze die Stärke der Marke in eine international verständliche Handschrift, heißt es dazu im Unternehmen. „Wir lösen Komplexität auf. Mit neuem Logo, Claim, neuer Bildsprache und Kampagne erreichen wir unsere Zielgruppen noch besser“, beantwortet Schminnes die Frage, was sich durch den Relaunch konkret im internationalen Kontext verändere. 

Als wichtigste Entwicklungsschritte der vergangenen Jahre benennt Claus Anstoetz das 2022 geschaffene Angebot an Akustiklösungen. Die Anforderungen an Räume hätten sich sowohl im Büro als auch im privaten Umfeld stark verändert. „Darauf gestalterisch anspruchsvoll zu reagieren, war ein bedeutender Schritt.“

Für die nächsten Jahre wünscht sich Stephan Anstoetz, „dass wir als Familienunternehmen offenbleiben und zugleich präzise in dem, was uns ausmacht. Unternehmen mit Geschichte bewegen sich immer im Spannungsfeld von Bewahren und Erneuern. Wichtig ist, dass wir die Menschen im Haus mitnehmen. Das liegt mir sehr am Herzen.“