Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 1/2022DruckenZurück


Titelthema

Unterstützung, kein Ersatz

Termine koordinieren, Dokumente vervollständigen oder sich Protokolle und Zusammenfassungen schreiben lassen – viele Menschen greifen inzwischen auf KI-gestützte Text- oder Sprachgeneratoren zurück, um ihren Arbeitsalltag zu entlasten. Immer wieder kommt die Frage auf, wie der Einsatz der neuen Technologie die Arbeit und Berufsbilder verändert. Auch die Ausbildung wandelt sich durch den Einsatz von KI. Wie Unternehmen sowie Ausbilderinnen und Ausbilder auf diese neue Herausforderung reagieren und welchen Einfluss das auf Ausbildungsberufe hat, beleuchtet unser Titelthema „KI in der Ausbildung“.

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Ostwestfalen setzt Künstliche Intelligenz bereits in der Ausbildung ein. Das zeigt eine Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, an der sich 426 Unternehmen beteiligt haben. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Unternehmen in der Region das Thema sehr unterschiedlich bewerten. Fragen zur Bedeutung und zum Einsatz von KI in der Ausbildung wurden bei der jährlichen Umfrage erstmals gestellt.

Für ein Drittel der Unternehmen (33 Prozent) hat Künstliche Intelligenz in der Ausbildung bereits heute eine hohe oder sehr hohe Bedeutung. Demgegenüber messen 30 Prozent der befragten Betriebe dem Thema bislang nur eine geringe oder gar keine Bedeutung bei. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Während viele Unternehmen KI bereits gezielt nutzen, beobachten fast genauso viele die Entwicklung noch zurückhaltend. Der häufigste Einsatzbereich ist das Lernen sowie die Prüfungsvorbereitung. 31 Prozent der befragten Unternehmen nutzen KI hierfür und unterstützen ihre Auszubildenden beispielsweise beim Erarbeiten von Lerninhalten oder bei der Vorbereitung auf Prüfungen.

Mit dem technologischen Wandel verändern sich auch die Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder: 73 Prozent der Unternehmen bereiten ihr Ausbildungspersonal bereits ­gezielt auf die veränderten Arbeitsanforderungen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor. Damit investieren sie nicht nur in digitale Kompetenzen, sondern schaffen auch die Voraussetzungen, Auszubildende beim verantwortungsvollen und praxisgerechten Einsatz von KI zu begleiten.

„Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt nachhaltig verändern — und damit auch die berufliche Ausbildung. Entscheidend ist, dass Auszubildende lernen, KI kompetent, kritisch und verantwortungsvoll einzusetzen. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass viele Unternehmen diesen Wandel bereits aktiv gestalten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke.

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass KI in der Ausbildung kein Zukunftsthema mehr ist, sondern bereits in vielen Betrieben mit wachsender Bedeutung angekommen ist. Gleichzeitig steht die Entwicklung noch am Anfang. Welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig in der Ausbildung spielen wird, hängt auch davon ab, wie sich die Technologien weiterentwickeln und welche Kompetenzen Unternehmen künftig von ihren Fachkräften erwarten.

STARKE WIRTSCHAFT UND STARKE AUSBILDUNG BEDINGEN SICH

Die Welt verändert sich rasant. Technologische Sprünge, geopolitische Verschiebungen und der demografische Wandel fordern Wirtschaft und Gesellschaft zugleich. Deutschlands Antwort darauf kann nur eine starke, innovative Wirtschaft sein, getragen von einer ebenso starken beruflichen Aus- und Weiterbildung. Beides ist untrennbar miteinander verbunden: Ohne qualifizierte Fachkräfte keine Wettbewerbsfähigkeit, ohne wettbewerbsfähige Unternehmen keine Zukunft für Beschäftigung und Wohlstand — in einem Impulspapier hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) daher Herausforderungen und Handlungsempfehlungen zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland zusammengefasst. Im Kern geht es darum, den Wirtschaftsstandort und die Fachkräftesicherung zu gewährleisten.

„Die Berufliche Bildung ist zentral für die Erneuerungsfähigkeit unseres Landes. Sie sichert Fachkräfte, ermöglicht Transformation und schafft Aufstiegschancen. Doch die Rahmenbedingungen geraten zunehmend unter Druck. Die Zielgruppen werden heterogener, grundlegende Kompetenzen bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern nehmen ab, Bildungsbrüche häufen sich. Für viele Betriebe bedeutet das wachsende Zusatzaufgaben und immer häufiger stoßen sie dabei an Grenzen“, macht Dr. Helena Melnikov, DIHK-Hauptgeschäftsführerin deutlich.

Die Unternehmen übernehmen Verantwortung. Sie bilden aus, investieren in Qualifizierung und engagieren sich für den beruflichen Nachwuchs, auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. „Denn Investitionen in Qualifizierung sind die Grundlage für Innovation, Produktivität und nachhaltiges Wachstum. Entscheidend ist jetzt, der beruflichen Aus- und Weiterbildung die Priorität einzuräumen, die der Wirtschaftsstandort Deutschland dringend braucht“, so Melnikov weiter. Die IHK-Organisation engagiere sich entlang des gesamten Bildungswegs — von Berufsorientierung über Prüfung und Qualifizierung bis zur Gewinnung von Fachkräften im In- und Ausland. Die fünf Impulse des DIHK-Papiers verbinden betriebliche Realität mit klaren politischen Handlungserfordernissen. Zu ihnen zählen: Kompetenzen zum Ausbildungsstart verbessern, Berufsorientierung und Daten­analyse stärken, Startbedingungen für Ausbildung erleichtern, die Ausbildung modern und flexibel gestalten — auch soll die duale Ausbildung digital und KI-gestützt weiterentwickelt werden, mit besserer technischer Ausstattung der Berufsschulen, qualifizierten Lehrkräften, hybriden Lernformen und flexiblerer Modernisierung von Ausbildungsberufen.

MIT DER ZEIT GEHEN

Beim Möbelbeschlagspezialisten Hettich aus Kirchlengern spielt das Thema duale Ausbildung seit über 50 Jahren eine wichtige Rolle bei der Fachkräftesicherung. Aktuell haben im Juli dieses Jahres 38 Auszubildende an den Standorten Kirchlengern und im hessischen Frankenberg ihre Prüfungen abgelegt. Zum Erfolg haben auch Dirk Bartz, Ausbildungsleiter bei Hettich, und das neunköpfige Ausbilderinnen- und Ausbilderteam beigetragen — sieben in Kirchlengern/Bünde und zwei in Frankenberg. Hinzu kommen zwei HR-Kolleginnen speziell für das Ausbildungsteam. Außerdem gibt es in jedem Bereich Ausbildungsbeauftragte, die die jungen Menschen in ihrem Abteilungsdurchlauf begleiten und unterstützen.

Deutschlandweit bildet das Unternehmen mit seinen weltweit etwa 8.200 Beschäftigten, davon rund 3.200 in Ostwestfalen, und einem Jahresumsatz von zirka 1,4 Milliarden Euro, knapp 200 junge Erwachsene in zwölf Berufen aus, sowohl im gewerblich-technischen als auch im kaufmännischen Bereich. Dabei reicht die Bandbreite von Industriemechanikerinnen und -mechanikern über Technische Produktdesignerinnen und -designer bis hin zu Mechatronikerinnen und Mechatronikern. Im kaufmännischen Bereich werden Industriekaufleute und Kaufleute für Marketingkommunikation auf das Berufsleben vorbereitet. Ein Duales Studium zum Bachelor of Engineering Maschinenbau rundet das Angebot ab. In diesem Sommer sind 56 neue Hettich-Auszubildende gestartet.

Dass Ausbildungsinhalte dabei einem stetigen Wandel unterliegen und „mit der Zeit“ gehen müssen, zeigt sich exemplarisch am Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Ausbildungsalltag.

KI NICHT MEHR WEGZUDENKEN

„Künstliche Intelligenz ist aus dem modernen Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, und deshalb ist KI auch in unserer dualen Ausbildung bereits ein Thema. Uns ist wichtig, unsere Auszubildenden frühzeitig an einen sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang heranzuführen und ihnen die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrungen zu sammeln“, sagt Bartz.

Dabei können KI-Anwendungen je nach Ausbildungsbereich beispielsweise bei der Recherche und Ideenfindung, der Strukturierung und Aufbereitung von Informationen, der Erstellung und Optimierung von Texten oder bei der Entwicklung und Gestaltung visueller Inhalte unterstützen. „Darüber hinaus entwickeln wir im Marketing mit Agentic AI hybride Teams, in denen Menschen und KI kooperativ zusammenarbeiten. Unsere Auszubildenden beziehen wir aktiv in diese neue Form der Zusammenarbeit ein und geben ihnen die Möglichkeit, sie mitzugestalten. Dabei verstehen wir KI als Werkzeug, das die eigene Arbeit ergänzt — nicht als Ersatz für fachliches Wissen, Kreativität oder die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten“, betont der Ausbildungsleiter. „Unser Ziel ist es, unseren Azubis nicht nur den Umgang mit KI-Anwendungen zu vermitteln, sondern auch ein Verständnis dafür zu entwickeln, wann und wie diese sinnvoll eingesetzt werden können — und wo ihre Grenzen liegen. So bereiten wir unsere Auszubildenden auf eine Arbeitswelt vor, in der der kompetente Umgang mit KI zunehmend zum beruflichen Alltag gehören wird.“

EINZELNE TÄTIGKEITEN VERÄNDERN

Die im Zusammenhang mit der KI oft geäußerte Sorge, dass dadurch Berufsfelder wegfallen könnten, teilt der Ausbildungsexperte nicht. „Wir gehen davon aus, dass KI weniger ganze Berufsbilder ersetzt, sondern vielmehr einzelne Tätigkeiten und Arbeitsabläufe verändert. Routineaufgaben können teilweise automatisiert oder effizienter erledigt werden. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben und Anforderungen.“ Damit würden sich auch Ausbildungsinhalte wandeln: „Neben dem klassischen Fachwissen gewinnen Kompetenzen rund um den Einsatz und die Bewertung von KI an Bedeutung. Entscheidend wird künftig noch stärker sein, Ergebnisse kritisch einzuordnen und KI gezielt dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert bietet.“

Dabei erwarten Bartz und sein Ausbilderinnen- und Ausbilder-Team nicht, dass schon vor Ausbildungsbeginn umfangreiche KI-Kenntnisse vorhanden sein müssen. „Wir verstehen es als Teil unserer Aufgabe als Ausbildungsunternehmen, entsprechende Kompetenzen zu vermitteln und gemeinsam weiterzuentwickeln. Wichtiger sind für uns Neugier, Offenheit gegenüber neuen Technologien und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

ROLLE ALS LERNBEGLEITER WIRD NOCH WICHTIGER

Durch die neue Technologie verändere sich ebenfalls das Verständnis auf der anderen Seite: „Auch für Ausbilderinnen und Ausbilder bedeutet KI, kontinuierlich dazuzulernen. Sie müssen nicht jedes neue Tool im Detail beherrschen, sollten aber die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken von KI kennen und deren Einsatz kompetent begleiten können“, sagt Bartz, der selbst ausgebildeter Industriemechaniker ist und sich zum Industriemeister Metall weiterqualifiziert hat. „Ihre Rolle als Lernbegleiter wird dadurch aus unserer Sicht noch wichtiger: Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern unterstützen Auszubildende dabei, KI sinnvoll einzusetzen, Ergebnisse kritisch zu prüfen und ein Bewusstsein für Themen wie Datenschutz, Urheberrecht und den verantwortungsvollen Umgang mit Informationen zu entwickeln.“

KI könne dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten und Mitarbeitende bei bestimmten Aufgaben zu entlasten. „Ausbildungsplatz-Lücken kann sie aus unserer Sicht jedoch nicht ‚füllen‘. Unternehmen brauchen auch künftig qualifizierte Nachwuchskräfte, die Fachwissen, Kreativität und soziale Kompetenzen mitbringen. KI kann Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, ihre Fähigkeiten und ihr Urteilsvermögen jedoch nicht ersetzen“, lautet das Fazit von Bartz.

FRÜH VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Ihre Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen bei der LVM-Versicherungsagentur Meinolf Sander in Hövelhof hat Imke Beck erst im Sommer 2025 abgeschlossen — nun bildet die 24-Jährige bereits selbst aus, denn ihren Ausbilderschein hat sie direkt angeschlossen. Seit wenigen Wochen ist Imke Beck in dieser Rolle aktiv und hat mit Connor Watson ihren ersten eigenen Azubi: „Es fühlt sich cool an selbst Verantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass sich unser Auszubildender wohl fühlt. Es macht Spaß zu sehen, wie jemand an seinen Aufgaben wächst und sich entwickelt“, beschreibt sie ihre Motivation. Sie versuche die Ausbildungsanforderungen möglichst interaktiv zu gestalten, damit der angehende Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen in Ruhe alle Produkte der Agentur kennenlernen könne.

Sie selbst hat nach ihrem Realabschluss und ihrem Fachabi länger überlegt, welchen Ausbildungsweg sie gehen wollte: „Ich habe mich dann für den gleichen Werdegang wie meine Mutter entschieden“, erzählt sie. Und damit die richtige Entscheidung getroffen: „Meine Ausbildung war prima. Ich konnte meinen Chef immer ansprechen, zudem hat er mir viel Freiraum gegeben, unter anderem um Seminare zu besuchen, für die er immer super Trainer engagiert hat.“

KI NOCH „UNTERGEORDNETE ROLLE“

Auf die Frage, ob KI in ihrer eigenen Ausbildung eine Rolle gespielt habe, gibt sie offen zu: „Für mich persönlich spielt die Künstliche Intelligenz eher eine noch untergeordnete Rolle. Ich bin der Typ, der sich immer viel handschriftlich notiert. Aber natürlich habe auch ich in meiner eigenen Prüfungsvorbereitung der KI Fragen gestellt, Grafiken erstellen lassen und inzwischen nutze ich sie dafür, Briefe oder E-Mails zu schreiben“, berichtet Imke Beck, die während ihrer eigenen Ausbildungszeit als Ausbildungsbotschafterin der IHK Ostwestfalen aktiv war und Schülerinnen und Schüler über ihren Arbeitsalltag berichtet hat. „Mich interessieren auch die Berufsmessen wie die Connect, wo ich gemeinsam mit einem Kollegen unsere Agentur vorstelle und potenziellen Auszubildenden ihre Fragen beantworte.“

Dieses Engagement in Sachen Ausbildung zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Imke Beck, die noch draufgesattelt hat und inzwischen als Prüferin bei der IHK Ostwestfalen tätig ist. Auf dieses Ehrenamt hat sie einer ihrer eigenen Lehrer aufmerksam gemacht: „Mir macht es total viel Spaß, die Auszubildenden bei diesem letzten Schritt ihrer Ausbildung zu begleiten, man kommt in den Austausch und lernt selbst dazu“, freut sie sich über das harmonische Miteinander innerhalb des Prüferkreises: „Alle bringen ihren eigenen Stil ein und es ist spannend zu sehen, was sich die Azubis ­einfallen lassen.“ Trotz all dieser zusätzlichen Aufgaben hat Imke Beck ihre eigene Karriere weiter fest im Blick — sie möchte sich zur Fachwirtin fortbilden lassen: „Das Projekt gehe ich aber erst im nächsten Jahr an“, verrät sie und lacht.

BRAUCHEN WIR NOCH FACHINFORMATIKER?

Es ist eine Debatte, die seit etwa eineinhalb Jahren geführt wird und sich angesichts von KI-Anwendungen in der Frage „Brauchen wir noch Fachinformatikerinnen oder Fachinformatiker?“ zusammenfassen lässt. Die Antwort von Harun Yavuz ist eindeutig: „Fachinformatiker sind nicht obsolet, nur weil KI coden kann“, sagt der Ausbildungsbeauftragte der Wortmann AG aus Hüllhorst.

Mit über einer Milliarde Euro Umsatz in 2025 zählt das familiengeführte Unternehmen nach eigenen Angaben zu einem der erfolgreichsten unabhängigen deutschen IT-Unternehmen. Die Produkte, unter anderem PCs, Notebooks, Server oder Thin Clients, werden in Hüllhorst zusammengebaut. Dienstleistungen inklusive eines eigenen Rechenzentrums runden das Angebot für Firmenkunden ab. Rund 800 Mitarbeitende werden beschäftigt, zum Kundenkreis zählen über 16.000 Fachhändler und Systemhäuser in Europa.

PRAXISNAHE VERTRIEBSAUFGABEN ERSTELLEN

„Wir setzen aus zwei Gründen KI ein, erstens der fachliche: Wir sind IT-Distributor sowie Hersteller, KI-Themen sind bei unseren Partnern angekommen. Wer diese Produkte später verkaufen oder supporten soll, muss sie selbst bedient und ihre Grenzen erlebt haben. Zweitens der praktische: Bei rund 30 IT-Auszubildenden ist die Vorbereitung individueller Aufgaben zeitintensiv. KI hilft, Fallbeispiele schneller auf den jeweiligen Ausbildungsstand zuzuschneiden. Die inhaltliche Verantwortung und die Kontrolle bleiben aber vollständig bei uns“, sagt Yavuz. Er betont, dass KI „punktuell und nicht als flächendeckender Standard“ zum Einsatz komme. „Als Ausbildungsbeauftragter setze ich KI vor allem zur Vorbereitung und Begleitung von Ausbildungsinhalten ein: bei der Erstellung praxisnaher Vertriebsaufgaben für die Kaufleute im 3. Lehrjahr, bei Übungs- und Prüfungsszenarien im Bereich ‚Konfigurieren, Prüfen und Supporten von IT-Systemen‘ sowie bei der Pflege unserer internen Wissensdatenbank für Auszubildende. Daneben lernen die Auszubildenden KI-Werkzeuge auch als Arbeitsmittel kennen. Zuletzt etwa in einem Abschlussprojekt zu einem KI-Agenten auf Basis von Copilot Studio.“ So mussten Auszubildende beispielsweise eine von der KI vorgegebene Rechner-Konfiguration nachbauen. Das Besondere an der Aufgabe — „sie mussten verstehen und beurteilen, warum sie die Komponenten verwenden sollen“.

BEURTEILUNGSVERMÖGEN STÄRKEN

Ähnlich wie Dirk Bartz, Ausbildungsleiter bei Hettich, Katja Möller aus der Melitta Unternehmensleitung und Dr. Christina Langer, Ökonomin und Arbeitsmarktforscherin beim ifo-­Institut (siehe Interview auf Seite 37), geht Yavuz nicht davon aus, dass komplette Berufe durch den KI-Einsatz überflüssig werden: „Ich sehe eher eine Verschiebung von Tätigkeitsanteilen als das Wegfallen ganzer Berufsbilder. Routineanteile, Standardangebote, einfache Datenerfassung, Textbausteine im First-Level-Support werden weniger. Dafür gewinnen Bewertung, Beratung und Fehlersuche an Gewicht: Man muss beurteilen können, ob ein KI-Ergebnis fachlich trägt. Neu hinzu kommen Inhalte wie sinnvoller Umgang mit Prompts, Datenqualität und Datenschutz. Am ehesten unter Druck geraten reine Sachbearbeitungsprofile ohne Kunden- oder Technikbezug.“

LOKALE KI-SYSTEME GEWINNEN AN BEDEUTUNG

Yavuz selbst hat seine verkürzte Ausbildung zum „Kaufmann für IT-Systemmanagement“ Anfang 2025 bei der Wortmann AG abgeschlossen. Nach seinem ersten Berufsabschluss zum Mediengestalter habe er für einen E-Sport-Anbieter gearbeitet und dort junge Spieler, auch international, betreut: „Ich habe Vollzeit auf junge Leute aufgepasst“, schmunzelt er — die Erfahrungen, die er dort sammeln konnte, nutze er unter anderem heute dafür, die international zusammengesetzte Auszubildenden-Community bei Wortmann zu betreuen.

Zunächst habe er sich mit sogenannten Frontier-KI-Modellen beschäftigt: „Als Frontier-Modelle gelten die jeweils leistungsfähigsten, teuersten Modelle einer Generation — die, die den Stand der Technik definieren. Der Markt wird von einer kleinen Zahl von Flaggschiff-Modellen weniger Anbieter dominiert, die nicht nur über Benchmark-Scores konkurrieren, sondern über Reasoning-Tiefe, Coding, Multimodalität, Long-Context, Tool-Nutzung, agentische Zuverlässigkeit, Safety, Kosten und Deployment-Flexibilität“, erläutert Yavuz. Aktuell beschäftige er sich mit Thema lokale KI-Systeme: „Ärzte, Steuerberater oder Anwälte können aus Datenschutzgründen beispielsweise nicht ChatGPT verwenden. Alle Eingaben in Frontier-KI-Modelle werden dafür genutzt, sie zu trainieren“, warnt Yavuz. Deshalb seien für diese Berufsgruppen lokale, datenschutzkonforme KI-Systeme so wichtig: „Die Datensouveränität muss in Deutschland bleiben.“

KI IST KEIN „ZAUBERDING“

Rechtliche- und Datenschutzthemen spielen beim Einsatz von KI eine immer stärkere Rolle, die auch in der Ausbildung vermittelt werden müssten. Die Antwort auf die Frage, welche „Skills“ zukünftige Auszubildende mitbringen müssten, erstaunt deshalb nur im ersten Moment: „Keine KI-Vorkenntnisse. Die vermitteln wir. Wichtiger sind Neugier, Sorgfalt und die Bereitschaft, Ergebnisse zu hinterfragen, statt zu übernehmen. Dazu kommen die klassischen Punkte, die durch KI eher wichtiger werden: verständlich kommunizieren, sich selbst organisieren, nachfragen, wenn etwas unklar ist. Wer ein KI-Ergebnis nicht einordnen kann, dem nützt das beste Werkzeug nichts. KI ist kein ‚Zauberding‘ — die Antwort ist immer nur so schlau wie die Frage, die man eintippt.“

Auch bei dem Aspekt, wie sich Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder verändern, herrscht unter den Praktikern weitestgehend Einigkeit. „Die Rolle verschiebt sich stärker in Richtung Begleitung und Einordnung. 

Aufgaben müssen so gestellt werden, dass die Eigenleistung der Auszubildenden erkennbar bleibt — das ist die konkrete Veränderung im Alltag“, sagt Yavuz. KI könne Ausbilderinnen und Ausbilder entlasten und dadurch Kapazität für die eigentliche Betreuung schaffen.

Weiterqualifizierung bedeute für ihn, die Werkzeuge selbst beherrschen zu können — inklusive ihrer Schwächen. Außerdem müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen vermittelt werden, insbesondere Datenschutz und der Umgang mit Unternehmensdaten. „Wer KI nur verbietet, verliert den Einblick, wie sie tatsächlich genutzt wird.“

ALLES FÜR DIE FILTERTÜTE

Bei der diesjährigen IHK-Ausbildungstour von IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker und IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke stand auch die Melitta Gruppe in Minden als eine von sechs Stationen auf dem Programm. Zunächst präsentierten fünf Auszubildende ihre jeweiligen Berufe — von der Industriekauffrau über den Mechatroniker, einen Papiertechnologen, eine Mediengestalterin bis hin zum Fachinformatiker — und ihren spezifischen Anteil daran, am Standort die Melitta-Kaffeefiltertüten zu produzieren. Mittendrin Katja Möller aus der Unternehmensleitung, die in der Vorstellungsrunde betonte, dass sie vor 30 Jahren ein Duales Studium zur Betriebswirtin (VWA) bei Melitta absolviert hat. Damals war als Teil dieses Studium zusätzlich die Berufsausbildung zur Industriekauffrau integriert, die nach bereits 1,5 Jahren abgeschlossen wurde, blickt sie auf ihren Karrierebeginn zurück.

Nachgefragt, wie bei Melitta Künstliche Intelligenz Ausbildungsinhalte verändert, greift sie das Beispiel der Mediengestaltung auf: „Da wir Mediengestalter ausbilden, lässt sich an diesem Berufsbild besonders anschaulich zeigen, wie KI bestehende Tätigkeiten verändert: Mitarbeitende können heute mithilfe von KI schnell Grafiken, Plakate oder Videos erstellen. Für eine professionelle Veröffentlichung braucht es jedoch weiterhin Fachleute, die Qualität, Zielgruppenbezug sowie rechtliche und markenspezifische Vorgaben beurteilen“, so Möller.

Sie gehe deshalb — ähnlich wie die Verantwortlichen bei Hettich und der Wortmann AG — nicht davon aus, dass Berufsbilder durch KI vollständig wegfallen. „Vielmehr verändern sie sich: Die Ausbildung des Mediengestalters beziehungsweise der Mediengestalterin wird um KI- und Technologiekompetenz, konzeptionelles Denken und kritische Bewertung erweitert. Der Beruf entwickelt sich von der reinen Umsetzung hin zu einer kreativen und fachlich verantwortungsvollen Steuerung.“

„MELINA“: EIGENE KI ENTWICKELT

Dabei könnten die jungen Erwachsenen während ihrer Ausbildung den Umgang mit Künstlicher Intelligenz Berufe übergreifend erlernen: „Unsere Auszubildenden haben die Möglichkeit, ‚Melina‘, die KI-Assistentin der Melitta Gruppe, zu nutzen. Bereits während der Einführungstage im ersten Ausbildungsjahr lernen unsere Auszubildenden unsere Haltung zur Nutzung mit KI kennen. Ergänzend bieten wir Schulungen an, in denen sie lernen, KI sicher und effizient einzusetzen, geeignete Anwendungsfälle zu erkennen und Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.“

Aktuell befinde sich der Konsumgüterhersteller mit seinen Geschäftsfeldern Kaffee, Kaffeezubereitung und Haushaltsprodukte in der Pilotphase von „Chunkx“. Dabei handele es sich um ein neues Lernangebot innerhalb der Melitta Gruppe: „Die Lernplattform hilft dabei, Wissen passend zum eigenen Bedarf aufzubauen. ­Kolleginnen und Kollegen können genau die Inhalte lernen, die für den Arbeitsalltag hilfreich sind, und zwar so, dass sie zum eigenen Wissensstand und Lerntempo passen. Auszubildende haben die Möglichkeit, Chunkx über die Inhalte zu nutzen, die in den Fachbereichen erstellt werden“, so Möller.

AZUBIS ALS KI-BOTSCHAFTERINNEN UND -BOTSCHAFTER

In der Unternehmensgruppe werde beobachtet, dass die Auszubildenden mit digitalen Technologien aufwachsen und eine Offenheit und Neugier für neue Anwendungen mitbringen. „Perspektivisch wäre daher denkbar, unsere Auszubildenden als KI-Botschafterinnen und -Botschafter im Unternehmen einzubinden. Sie könnten ihre Erfahrungen aus den verschiedenen Fachbereichen weitergeben, neue Impulse setzen und so zur verantwortungsvollen und gewinnbringenden Nutzung von KI im Arbeitsalltag beitragen“, umreißt sie einen möglichen weiteren Nutzen. Denn „Melina“ richte sich nicht ausschließlich an Auszubildende. „Die Einführung einer eigenen KI-Assistentin für die Mitarbeitenden war eine unternehmerische Entscheidung. Damit möchten wir unseren Mitarbeitenden einen sicheren und unternehmensweiten Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen und sie dazu befähigen, KI sinnvoll und verantwortungsvoll im Arbeitsalltag einzusetzen. Wir sehen KI als eine wichtige Zukunftskompetenz, die Lern-, Entwicklungs- und Innovationsprozesse unterstützt.“

Aktuell beschäftigen die Unternehmen der Melitta Gruppe rund 5.500 Mitarbeitende, davon etwa 1.500 in Ostwestfalen sowie 30 Auszubildende in sieben Berufen. Hinzu kommen noch 21 Dual Studierende. Im vergangenen Geschäftsjahr kletterte der Umsatz um 18 Prozent auf 2,53 Milliarden Euro. Als zentrale Wachstumstreiber nannte die familiengeführte Unternehmensgruppe das Kaffeegeschäft in Europa, Nord- und Südamerika.

PROBLEMLÖSUNG RÜCKT IN DEN VORDERGRUND

Dass sich durch die Nutzung von KI die Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder verändern, unterstreicht auch Katja Möller: „Statt Wissen zu vermitteln, rückt der Aufbau von Fähigkeiten wie Problemlösung und Selbstständigkeit in den Vordergrund. Möglich wird dieser Wandel auch dadurch, dass KI-Tools Lernmaterialien erstellen und Aufgaben individuell an Lernstand und Lerntempo anpassen können. Ausbilderinnen und Ausbilder übernehmen dabei zunehmend die Rolle der Lernbegleitung statt der reinen Wissensvermittlung.“ Damit einher gingen neue Aufgaben: Ausbilderinnen und Ausbilder müssen die von der KI gelieferten Ergebnisse fachlich prüfen, deren Einsatz im Ausbildungsalltag didaktisch sinnvoll steuern und den Auszubildenden einen kritischen, verantwortungsvollen Umgang damit vermitteln, und sich entsprechend weiterqualifizieren.

BERUFLICHE HANDLUNGSFÄHIGKEIT VERMITTELN

Von ihren zukünftigen Auszubildenden würden sie vor allem Lernbereitschaft und Offenheit für Neues erwarten, ebenso eine gute Auffassungsgabe und die Fähigkeit, Zusammenhänge schnell zu erkennen. „Nicht zuletzt ist eine Problemlösungsfähigkeit wichtig. Wir suchen junge Menschen, die Herausforderungen aktiv angehen, eigenständig nach Lösungen suchen und dabei auch neue Wege ausprobieren.“

Die Frage, ob KI möglicherweise Ausbildungsplatz-Lücken füllen könne, weist Möller zurück: „Unser Ziel ist es, jungen Menschen durch eine hochwertige Ausbildung berufliche Handlungsfähigkeit zu vermitteln. Dazu gehören insbesondere die Kompetenzen, die sie benötigen, um zukünftige Herausforderungen zu erkennen, innovative Lösungen mitzugestalten und eigenverantwortlich zu handeln. KI kann dabei unterstützen und bereits heute viele Routinetätigkeiten übernehmen. Sie ersetzt jedoch nicht das Ziel und den Zweck der Ausbildung: Wir möchten Menschen entwickeln, die auch künftig einen nachhaltigen Beitrag zur Erreichung unserer Unternehmensziele leisten.“

Silke Goller, Heiko Stoll

TIPP

„AzubiTrain – Deine Zukunft mit KI“

Nordrhein-Westfalen treibt – nach eigener Aussage – den Wandel „von der Kohle zur KI“ voran. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW setzt sich gemeinsam mit dem fjs e.V. dafür ein, dass junge Menschen und Ausbildende praxisnah an KI-Kompetenzen herangeführt werden. Mit dem kostenlosen Angebot „AzubiTrain — Deine Zukunft mit KI“ erhalten Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder in NRW die Chance, KI besser zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und sie verantwortungsvoll im Ausbildungsalltag einzusetzen.

Für Azubis werden unter anderem acht Lernmodule angeboten, die Grundlagenwissen zur Künstlichen Intelligenz vermitteln — das Themenspektrum reicht beispielsweise von der Frage „Was ist KI?“, über „Einführung Chatbots“, „Prompt Engineering“ bis hin zu „Einsatz in der Ausbildung“. Das Angebot wird durch Live-Formate ergänzt: „Egal ob in Online-Sessions, innerhalb von PraxisLabs Workshops bei Unternehmen in deiner Region oder während eines Hackathons, wir lernen gemeinsam, praxisnah und zukunftsorientiert“, versprechen die Organisatoren.

Für Ausbilderinnen und Ausbilder werden Online-Sessions angeboten, die über die Angebote von AzubiTrain aufklären, Wissen vermitteln sowie Orientierung und praktische Impulse für den Einsatz von KI in der Ausbildung geben.

www.azubitrain.nrw  

 

HINTERGRUND

Jeder vierte Betrieb in Deutschland nutzt generative KI

2023 setzten lediglich fünf Prozent der Betriebe Computerprogramme ein, die eigenständig neue Inhalte wie Texte oder Videos erzeugen können. Binnen zwei Jahren hat sich dieser Wert nahezu verfünffacht, auf knapp 25 Prozent. Das zeigt eine im Mai dieses Jahres veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, auf Basis des IAB-Betriebspanels.

Weitere neun Prozent der Betriebe planen zudem, die Technologie in Zukunft einzusetzen, heißt es dazu in einer Pressemeldung. „Der rasante Zuwachs bei der Nutzung von generativer KI ist neben den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sicher auch auf die einfache und intuitive Steuerung mittels Chatbots zurückzuführen“, erklärt IAB-Forscher Martin Friedrich.

In Betrieben mit 200 und mehr Beschäftigten nutzten bereits 48 Prozent generative KI, bei Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten waren es 21 Prozent. Auch mit dem Betriebsalter zeigt sich ein Zusammenhang: Betriebe, die seit mindestens 25 Jahren bestehen, setzten generative KI mit 21 Prozent deutlich seltener ein als solche, die vor weniger als fünf Jahren gegründet wurden. In dieser Gruppe lag der Anteil bei 30 Prozent. „Jüngere Betriebe scheinen experimentierfreudiger beim Einsatz von KI zu sein, weil sie weniger starre Arbeits- und Produktionsprozesse aufweisen“, sagt IAB-Forscher Christian Kagerl.

2025 kam generative KI vor allem in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen zum Einsatz: 59 Prozent der Betriebe im Bereich Information und Kommunikation gaben an, generative KI zu nutzen — gefolgt vom Finanz- und Versicherungswesen mit 50 Prozent, den unternehmensnahen Dienstleistungen mit 37 Prozent sowie dem Bereich Erziehung und Unterricht mit 34 Prozent. In den Branchen der Rohstoffgewinnung, dem Bau- und Gastgewerbe sowie im Bereich Verkehr und Lagerei war der Anteil der nutzenden Betriebe mit unter 15 Prozent am geringsten.

90 Prozent der Betriebe griffen auf frei zugängliche KI-Anwendungen zurück, während nur 16 Prozent eingekaufte Modelle nutzten, die mit eigenen Daten trainiert werden. Sechs Prozent der nutzenden Betriebe entwickelten zudem eigene KI-Modelle. Insgesamt hat fast die Hälfte der Betriebe, die 2025 generative KI nutzten, bereits Geld in die Technologie investiert. Weiterbildungen für Beschäftigte zum Umgang mit der Technologie wurden in mehr als jedem vierten KI nutzenden Betrieb angeboten. Jeweils ein Fünftel hat zudem betriebsinterne Regeln für den KI-Einsatz entwickelt oder plant deren Einführung.

Die Studie beruht auf dem IAB-Betriebspanel, einer repräsentativen jährlichen Wiederholungsbefragung von rund 15.000 Betrieben aller Betriebsgrößen und Branchen. Die Studie und die Daten sind abrufbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-08.pdf.