Page 6 - Ostwestfälische Wirtschaft Oktober 2024
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4 Im Porträt
Die Tierfinderinnen
ENTHUSIASMUS WAR ANSTECKEND
Ihr Enthusiasmus war ansteckend, denn
es gelang ihr, ihre Schulfreundin Isabel
Lüdenbach von ihrer Gründungsidee zu
überzeugen. Die 23-Jährige war gerade
dabei, ihre Bachelorarbeit in Nachhalti-
ger Sozialpolitik zu schreiben: „Ich könn-
te mir nicht vorstellen, in einem Job zu
arbeiten, der nicht sinnstiftend ist. Ich
möchte mit dem, was ich mache, etwas
Positives bewegen“, erklärt Lüdenbach.
Gemeinsam hatten die Freundinnen be-
reits über Jahre hinweg herumgeflachst,
Foto: IHK Ostwestfalen/Tilo Sommer beiden. Schauen sich an und lachen. Die
mal irgendwas zu gründen, verraten die
Idee von Findus & Foster wurde durch das
Gründungsstipendium dann zur Wirk-
lichkeit. Der Name Findus geht auf die be-
liebte Kinderbuchreihe „Pettersson und
Findus“ zurück, Foster stammt aus dem
englischen Wort „Foster Homes“, was zu
Ob feuchte Hundenasen oder flauschige „Ich habe selbst nach einer Katze gesucht Deutsch „Pflegestelle“ bedeutet.
Katzen; für viele gehören sie zur und wurde von vielen Tierheimen zurück-
Familie – Haustiere. Unzählige von ih- gewiesen“, berichtet Lisa Schmidt von ihren DAS PASSENDE HAUSTIER FINDEN
nen sitzen weltweit in Tierheimen und eigenen Erfahrungen. Die Suche nach einer Das Konzept hinter Findus & Foster scheint
warten auf ein Zuhause. Aber oft ist es Katze habe die 24-Jährige auf die Idee für Fin- simpel: Tiersuchende geben in einem „Tier-
schwer, den richtigen tierischen Beglei- dus & Foster gebracht. „Eine einzelne Katze finder“ an, was sie gerne für ein Tier hätten,
ter für sich zu finden, der in den Alltag zu adoptieren ist sehr schwer, da sie eigent- wie ihre Lebenssituation ist und welche Cha-
und zum eigenen Leben passt. Dieses lich in Gesellschaft leben sollten. Für eine rakterzüge ihr Wegbegleiter haben sollte.
Problem wollen Lisa Schmidt (links) zweite war allerdings nicht genug Platz. Aber Diese Angaben würden maximal zehn Mi-
und Isabel Lüdenbach mit ihrer Tier- es gibt auch Katzen, die aufgrund ihrer Vor- nuten in Anspruch nehmen. Anschließend
vermittlungsplattform Findus & Fos- erfahrungen lieber alleine leben möchten. werden passende Tiere aus den umliegen-
ter angehen. Seit Anfang dieses Jah- Genau solch eine Katze habe ich gesucht“, den Tierheimen vorgeschlagen, in die sich
res sorgen die Gründerinnen mit ihrer führt Schmidt fort. Sie habe viele Tierheime verliebt werden kann. Von der Schutzgebühr,
Website dafür, dass Tiersuchenden abgeklappert, sei aber nie fündig geworden. die jedes Tierheim bei der Vermittlung eines
das für sie passende Tier vorgeschla- In einer Pflegestelle eines Tierheimes habe Tieres nimmt, bezahle der Kunde am Ende
gen wird. So möchten sie den Tier- sie dann aber eine Katze gefunden, die nur zehn Prozent an Findus & Foster. „Uns ist
schutz unterstützen und die Tierheime alleine aufzublühen schien. „Das war für es wichtig, dass das Tierheim keine Kosten
entlasten. mich der Knackpunkt. Es gibt so viele Tier- trägt, deswegen bezahlt der Kunde die Platt-
heimtiere, die ein schönes Zuhause suchen form“, betont Schmidt. Dies sei wesentlich
— es sollte viel einfacher gemacht werden, ein einfacher, als sich durch unzählige Tierheime
passendes Tier zu finden“, findet Schmidt. durchzuklicken und nichts Passendes zu fin-
Während ihres Kommunikationsdesign-Stu- den. Noch feilen die Jungunternehmerinnen
diums habe sie dann überlegt, diese Idee in an einem optimierten Bezahlungssystem.
die Tat umzusetzen. Durch einen Dozen- „Momentan bauen wir die Website auch noch
ten habe sie von der Möglichkeit erfahren, etwas aus“, fügt Lüdenbach hinzu. Das Su-
ein Gründungsstipendium zu erhalten. „Ab chen und Vorschlagen der Tiere erfolge der-
da wurde die Vorstellung zu gründen für zeit noch händisch — das soll sich aber ändern.
mich real“, erklärt die Jungunternehmerin. Damit alles funktioniere, müssten die Tierhei-

