Page 43 - Ostwestfälische Wirtschaft Mai 2024
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Dann kam Anita Rauffmann. „Übernimmt man ein das sei zu aufwändig. Dennoch
laufendes Geschäft, besteht der Vorteil, dass Um- schwappe die Onlinekäufer-
sätze und Kunden vorhanden sind.“ Ein gewisser Mentalität auch in den sta-
Nachteil existiere darin, dass Kunden eine Erwar- tionären Einzelhandel über.
tungshaltung hätten, dass sich nichts ändern dür- „Die Erwartung, dass bei uns
fe. „Haltet durch und findet eure Linie“, gibt sie la- ebenfalls immer mehr umge-
chend den Tipp an alle potenziellen Gründerinnen tauscht werden kann, steigt.
und Gründer. Die Versuche, sich Beratung
Die Startbedingungen waren dennoch herausfor- zu erschleichen, nehmen zu.“
dernd. Im Jahr 2000 kam die Euroumstellung, und Über ihre eigene Zunft ärgert
das Rabattgesetz ist gefallen. Bis 2006 hat Rauff- sie sich mitunter auch, im-
mann auch Herrenmode auf einer zweiten, 150 mer dann, wenn von „Unter-
Quadratmeter großen Ladenfläche angeboten. Die stützung für den lokalen Ein-
Monate November und Dezember seien immer gut zelhandel“ die Rede ist. „Ich
gelaufen, die übrigen nicht. „Ich habe keine Linie brauche keine Unterstützung,
reinbekommen“, gibt sie unumwunden zu, letzt- ich biete eine Gegenleistung
endlich habe sie sich zur Aufgabe des Sortiments an: Beratung und Ware“, be-
entschieden. Heute bietet sie ausschließlich Da- tont Rauffmann. Allgemein finde im Einzelhandel
menoberbekleidung, Wäsche und Schuhe an. eine „große Bereinigung statt, der Markt reduziert
Ihre Zielgruppe definiert sie nicht über das Alter, sich sehr stark“. Beim aktuellen verkaufsoffenen
sondern über das Angebot, das sie ihren Kundin- Sonntag in Bielefeld sei ihr aufgefallen, dass die
nen macht. „Unsere Mode ist alltagstauglich, aber Stadt zwar gut besucht war. In den Geschäften sei
dennoch etwas Besonderes.“ Zehn Herstellerlabes es allerdings relativ leer gewesen, im Gegensatz
habe sie im Programm, etliche davon aus Däne- zur Gastronomie. „Ich habe keine Möglichkeit, die
mark. „Wir kombinieren alle Firmen, daraus ent- Frequenz vor meiner Ladentür zu erhöhen. Des-
steht ein individueller Look.“ Ein Beispiel? „Ein halb kümmere ich mich um meinen Mikrokos-
Sommerkleid lässt sich mit Jeansjacke und wei- mos“, lautet ihr Fazit.
ßen Sneakern gut im Alltag tragen. Werden zum Wie sie den 175. Firmengeburtstag begehen wer-
gleichen Kleid ein taillierter Blazer und Schuhe de, wisse sie noch nicht genau, die Planungen lie-
mit Absätzen angezogen, eignet es sich auch für fen, gefeiert werde auf jeden Fall. Was sie antreibt,
eine Hochzeit, zu der man eingeladen ist.“ bringt sie auf den Punkt: „Auf die Frage ‚Was wür-
Solche Vorschläge lassen sich nur durch eine dest Du lieber machen?‘ fällt mir nichts besseres
umfangreiche Expertise den Kundinnen näher- ein. Ich lebe es.“
bringen. „Beratung wird immer wichtiger, es ist Heiko Stoll
das Merkmal, das zählt und uns ausmacht.“ Drei
Teilzeitkräfte und eine Aushilfe beschäftigt Rauff-
mann in ihrem Laden. „Es ist schwierig, heute
gutes Personal im Einzelhandel zu finden. Sie
müssen bereit sein, sich flexibel und schnell auf
Kundenwünsche einzustellen“, nennt sie ein Kri-
terium. Mit einer ihrer heutigen Mitarbeiterinnen
arbeitet Raufmann schon zusammen, seitdem sie
Auszubildende war.
Nach der Corona-Pandemie nutzt die Kauffrau
verstärkt ihren eigenen Instagram-Kanal, um Out-
fits zu präsentieren. Mit Erfolg, wie sie sagt, mitt-
lerweile kämen Kundinnen sogar aus Osnabrück Foto: IHK Ostwestfalen/Heiko Stoll
oder Hamburg. „Guten Content zu produzieren ist
anstrengend. Meine jüngste Mitarbeiterin hat sich
zur Social-Media-Managerin weitergebildet und
übernimmt viele der anfallenden Tätigkeiten.“ Standorttreu Seit 1900 steht das Sudfeld‘ sche Geschäftshaus in Werther und wird bis
Einen eigenen Online-Shop betreibe sie nicht, heute genutzt. Das Unternehmen kann in diesem Jahr sein 175. Firmenjubiläum feiern.

