Page 33 - Ostwestfälische Wirtschaft Dezember 2025
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             ZUR PERSON


          Martin Knabenreich leitet seit 2015 als Geschäftsführer die Biele-
          feld  Marketing  GmbH,  die  Bielefelder  Stadthallen  Betriebsgesell-
          schaft und den Bielefelder Verkehrsverein. In diesen Funktionen
          verantwortet der 56-Jährige insbesondere die Geschäftsbereiche
          Citymanagement, Kongressbüro, Tourismus, Stadtmarke und
          Kommunikation, Veranstaltungen und die Wissenswerkstadt. Seit
          Mitte September dieses Jahres ist Knabenreich zudem Stellvertreter
          des Vorstands der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing
          Deutschland e. V. Der gebürtige Berliner ist Diplom-Volkswirt und
          war zuvor  Chefredakteur von Radio  Bielefeld. Seine beruflichen
          Stationen führten ihn als Reporter, Redakteur und Moderator über
          mehrere  Radiostationen,  als  Konzeptioner  entwickelte  er  PR-Kon-
          zepte für mehrere Konzerne und als PR-Direktor verantwortete er
          die europaweite Kommunikation des Internetunternehmen Lycos                                         Foto: Bielefeld Marketing
          Europe. Martin Knabenreich ist Vater von drei Kindern und über-
          zeugter Bielefelder.



        Zukunft der Innenstädte. Bei der Planung eines   Innenstädte liegt allerdings bei allen Akteuren:
        Stadtbesuchs geht es auch immer um attraktiven   Politik, Verwaltung, Handel, Gastronomie, Stadt-
        Handel und gute Gastronomie. Die Erwartungen   marketing und Stadtgesellschaft sind gleicher-
        an Innenstädte sind aber vielschichtiger: Basis   maßen gefordert, ins aktive Handeln zu kommen.
        erfolgreicher Innenstädte sind zunächst die
        Faktoren Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung.   Spielt es dabei auch eine wesentliche Rolle,
        Dazu kommt die sprichwörtliche „Hardware“   weil die Innenstädte als Lebensräume heute
        wie Stadtmöblierung, Grün, stimmungsvolle   eine vielfältigere Aufgabe haben als früher?
        Beleuchtung, öffentliche Toiletten und Wegeleit-  Ja, auf jeden Fall. Die Nutzungen der Innenstädte
        systeme. Ergänzend kommt die „Software“ aus   werden vielschichtiger. Es geht immer weniger
        Kunst, Kultur, Märkte und Stadtfeste dazu.  um das reine Einkaufen, sondern verstärkt um
                                                   Begegnung, Inspiration, Zeitvertreib, aber auch
        Die Innenstadt ist Ihre „Herzenssache“, wie sie   um Bildung, Kultur und Wohnen. Die Zeit der
        es schon häufiger formulierten. Wer sollte sich   reinen Einkaufsmeilen ist vorbei. Dennoch bleibt
        die City noch zu seiner Herzensangelegenheit   ein aktiver, lebendiger Handel ein zentraler
        machen?                                    Anziehungspunkt, der weiter gefördert werden
        Zukünftig  wichtiger  wird  ein  enger  Austausch   muss. Da wir uns aber immer mehr in Richtung
        mit Bürgerinnen und Bürgern, vor allem auch   einer Erlebnisökonomie entwickeln, werden
        jüngeren Menschen, die die Innenstadt zu ihrer   diese Konzepte an Bedeutung gewinnen und die
        Herzenssache machen müssen. Wir müssen     Innenstadt der Zukunft prägen. Konkret geht es
        hier  kreativen  und  mutigen  Ideen  Raum   um sogenannte „Showrooms“, eine vielseitige
        geben.  Allerdings  wird  das  ohne  verlässliche   Außengastronomie und „Third Places“, also
        Investitionen des Staates nicht gehen. Erfolg-  Begegnungsorte wie Bibliotheken oder Kultur-
        reiche Förderprogramme müssen trotz knapper   orte. Die Bielefelder Wissenswerkstadt ist ein
        Kassen fortgesetzt oder neu entwickelt werden.   solcher  Ort,  der  gerade  bundesweit  Beachtung
        Oberbürgermeister wie Claus Kaminsky in    findet.
        Hanau rechnen vor, dass die wirtschaftlichen
        Schäden von Leerstand und verödeten Innen-  Welche Aufgaben sollten Kommunen auch
        städten weitaus größer sind als die Investitionen   übernehmen?
        in zukunftsfeste Innenstädte. Die Verantwortung   Die notwendigen Veränderungsprozesse sind
        für  den  öffentlichen  Raum  beziehungsweise  die   oftmals langwierig, die Gespräche mit beteiligten   Fortsetzung auf Seite 32
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