Page 26 - Ostwestfälische Wirtschaft Oktober 2024
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24  Titel  |  Regionalplanung








                              FLÄCHEN MÜSSEN AKTIVIERBAR SEIN            damit machen sie sich zu Spielern. Vielmehr soll-
                              Zu wissen, wie viel Gewerbe- und Industrieflä-  ten Politik und Verwaltung verstehen, dass sie
                              chen man in den einzelnen Kreisen Ostwestfalens   als Schiedsrichter durch einen guten Einsatz der
                              und der kreisfreien Stadt Bielefeld benötigt, kann   Bauleitplanung und des gesamten Instrumenten-
                              allerdings nur der erste Schritt sein. Die Flächen   kastens des Städtebaurechtes den Rahmen set-
                              müssen auch tatsächlich planerisch aktivierbar   zen, in dem sich Flächeneigentümer und Unter-
                              sein. Die Stadt Bielefeld beispielsweise hat sich   nehmen bewegen können. Die Verhandlungen um
                              außerdem in Form des Bielefelder Bauland modells   Flächen käufe und -Verkäufe sollten nicht in öffent-
                              selbst Steine in den Weg gelegt: So ist insbeson-  licher Hand liegen, sondern den privaten Markt-
                              dere nach Einführung des Bielefelder Bauland-  akteuren, also den Unternehmen überlassen blei-
                              modells im Jahr 2019 der Gewerbeflächenmarkt   ben. Ökonomen sprechen bei einem zu
                              nahezu zum Stillstand gekommen. Das Modell   starken Eingreifen der öffentlichen
                              regelt hauptsächlich den Wohnungsbau, hat aber   Hand  in Märkte  von der  klassi-
                              indirekte Auswirkungen auf Gewerbeflächen: Das     schen Fehl allokation, die auch
                              kommunale Vorkaufsrecht sieht vor, dass die Stadt   im  Gewerbeflächenmarkt
                              bestimmte Grundstücke zu einem festgelegten   in Ostwestfalen an vielen
                              Preis erwerben kann, der oft unter dem liegt, was   Stellen zu finden ist.
                              auf dem freien Markt erzielbar wäre. Dies ermög-
                              licht der Stadt, stärker in die Flächenentwicklung   NEUER  REGIONAL-
                              einzugreifen und öffentliche Interessen wie den   PLAN FÜR OWL
                              sozialen  Wohnungsbau  durchzusetzen.  Private     Die wirtschaftliche
                              Investoren gingen deshalb oft leer aus. Manche   Entwicklung in Ost-
                              Grundstücke wurden wegen der drohenden preis-  westfalen basiert
                              lichen Einbußen auch gar nicht erst angeboten.   auf der mittelstän-
                              Erst mit der Ankündigung im Jahr 2024, dass das   dischen  Struktur,
                              Baulandmodell nicht mehr zur Anwendung kom-  insbesondere  auf
                              men soll bzw. abgeschafft wird, stieg die Hoffnung,   familiengeführten
                              dass der Gewerbeflächenmarkt wieder in Schwung   Unternehmen, die
                              kommen könnte.                             stark  mit  ihren  Stand-
                                                                         orten  verbunden  sind.  Der
                              INTERESSENKONFLIKTE                        neue Regionalplan soll die
                              Das Bielefelder Baulandmodell ist nur ein Beispiel   Sicherung  und  Erweiterung  be-
                              dafür, dass die Städte und Gemeinden immer öfter   stehender  Unternehmensstandorte
                              die falsche Rolle einnehmen. Nicht nur Schieds-  ermöglichen. Dies ist notwendig, damit
                              richter, sondern gleichzeitig auch Spieler sein   die Unternehmen flexibel auf Veränderun-
                              zu wollen, birgt Interessenskonflikte. Nach dem   gen reagieren können, um wettbewerbsfähig zu
                              Subsidiaritätsprinzip haben die Städte und Ge-  bleiben. Erweiterungen, Umwidmungen und die
                              meinden in Deutschland die Planungshoheit. Das   Nutzung neuer Flächen müssen unbürokratisch
                              bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger ent-  und zeitnah erfolgen, um den Anforderungen der
                              scheiden, was in ihren Städten und Gemeinden   Wirtschaft gerecht zu werden (siehe Interview auf
                              passieren soll — vermittelt über die demokratisch   Seite 30).
                              gewählten politischen Gremien. Das heißt aber   HÖHERE ANSPRÜCHE AN
                            Foto: pro Wirtschaft GT nicht, dass die Stadtverwaltungen auch durch   GEWERBEFLÄCHEN
                              Ankäufe in den Bodenmarkt einsteigen müssten.
                              Hier ist bei vielen Akteuren in Politik und Verwal-
                                                                         Generell ist zu beobachten, dass Unternehmen
                                                                         zunehmend höhere und differenziertere Ansprü-
                              tung jedoch mittlerweile ein falsches Verständnis
                              von der Aktivierung von Gewerbeflächen für Un-
                                                                         weist Gewerbeflächen nach den tatsächlichen
                              ternehmen entstanden: Sie denken, dass sie erst   che an Gewerbeflächen stellen. Der Regionalplan
        Nikola Weber          Flächen kaufen müssten, diese dann entwickeln   Bedürfnissen der Unternehmen aus und erleich-
        Wirtschaftsförderin pro
        Wirtschaft GT         und schließlich an Unternehmen weiterverkaufen;    tert durch angemessene Kontingente auch den
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