Page 37 - Ostwestfälische Wirtschaft Oktober 2024
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        Trump habe Deutschland in seiner ers-  Brandon Bohrn, Experte für transatlan-  Die Chancen, die der US-Markt aufgrund
        ten Amtszeit vorgeworfen, billigeres   tische Beziehungen bei der Gütersloher   seiner Größe, Branchenvielfalt und tech-
        russisches Gas dem teureren US-Fra-  Bertelsmann-Stiftung, sprach von einem   nologischen Innovation bietet, bleiben
        ckinggas vorzuziehen und zugleich das   „Spagat zwischen Protektionismus, Bü-  unabhängig von dem Ausgang der bevor-
        Zwei- Prozent-Ziel bei den Verteidigungs-  rokratieabbau und Klimaschutz“. Bohrn   stehenden Wahlen bestehen.“
        ausgaben nicht zu erreichen, sondern die   erläuterte, dass es nach der „America   In der abschließenden Diskussionsrunde
        USA für die eigene Sicherheit mitbezah-  First“-Politik von Trump auch unter dem   sprachen auch Vertreter dreier namhaf-
        len zu lassen. Diese beiden Kritikpunkte   amtierenden US-Präsidenten Joe Biden   ter ostwestfälischer Unternehmen über
        seien infolge des russischen Ukraine-  Protektionismus durch milliardenschwe-  Erfahrungen und Perspektiven im US-
        Krieges obsolet. Die US-Rüstungsindust-  re Subventionsprogramme gebe. Die Re-  Geschäft: Michael Harre, Geschäftsfüh-
        rie profitiere vielmehr überproportional   aktion der EU darauf sei der Green Deal   rer der  Herbert Kannegiesser GmbH in
        vom 100 Milliarden Euro schweren Son-  Industrial Plan. In Sachen Klimaschutz   Vlotho, Christian Nüßer, Geschäfts-
        dervermögen für die Bundeswehr.     gebe es zwischen den transatlantischen   führender Gesellschafter der Venjakob
        „Trump denkt in Deals“, sagt Laschet.   Partnern aber große Unterschiede.  Maschinenbau GmbH in Rheda-Wie-
        „Wird er Präsident, wird er dem euro-  Susanne Gellert, Geschäftsführerin der   denbrück  sowie  Dr.  Reinhard  Zinkann,
        päischen Teil der Nato mehr abverlan-  Deutsch-Amerikanischen Handelskam-  Geschäftsführender  Gesellschafter  der
        gen.“ Aber auch eine Präsidentin Harris   mer in New York, berichtete über die Stim-  Miele & Cie. KG in Gütersloh. Sie sehen
        werde Deutschland und Europa in die   mung deutscher Unternehmen in den USA.   allesamt  weiteres  Wachstumspotenzial
        Pflicht nehmen. „Wir müssen unseren   Diese sind mit fast einer Million Arbeits-  in den USA — unab hängig vom Wahlaus-
        Teil leisten“, sagt Laschet. „Wichtig ist,   plätzen der drittgrößte ausländische Ar-  gang lohne es sich, dort weiter zu inves-
        dass Europa mit einer Stimme spricht, in   beitgeber und haben ihre Direktinvestitio-  tieren. Herausfordernd sei aber auch in
        Wirtschaftsfragen und in der Außenpoli-  nen in den USA in den vergangenen zehn   den USA das Gewinnen und Halten von
        tik. Ich sehe die Chance auf einen Neu-  Jahren mehr als verdoppelt.  „Die Stim-  Fachkräften. Wichtig sei, sich auf die
        beginn in den Beziehungen auch, weil   mung der deutschen Unternehmen in den   US-Mentalität einzulassen. Zinkann be-
        die neue EU-Kommission und der neue   USA ist sehr gut. 96 Prozent der befragten   mängelte die fehlende Bereitschaft vie-
        US-Präsident oder die neue US-Präsi-  Unternehmen planen in den nächsten drei   ler Nachwuchskräfte in Deutschland, für
        dentin fast zeitgleich ins Amt kommen“,   Jahren weiter in den USA zu investieren.     eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten.
        sagt Laschet. Für mehr wirtschaftliche
        Unabhängigkeit seien Deutschland und
        Europa auf weitere Freihandelsabkom-
        men angewiesen. Es sei notwendig, dass
        EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
        der Leyen in ihrer zweiten Amtszeit die
        Wettbewerbsfähigkeit der EU stärker in
        den Blick nimmt, so Laschet.
        Daniel Andrich, Geschäftsführer der
        Amerikanischen Handelskammer in
        Deutschland, bekräftigte, sowohl Trump
        als auch Harris strebten eine Stärkung
        und Reindustrialisierung der US-Wirt-                                                                      Foto: IHK Ostwestfalen/Tilo Sommer
        schaft an. Trump stehe für niedrigere
        Steuern und Strafzölle, Harris für unbüro-
        kratische Steuergutschriften für Investi-
        tionen, die an Klimaschutz- und arbeits-  Informierten über Erfahrungen und Perspektiven im US-Geschäft Götz Dörmann, Daniel Andrich,
        marktpolitische Aspekte geknüpft seien.  Dr. Reinhard Zinkann, Michael Harre, Susanne Gellert, Christian Nüßer und Brandon Bohrn (von links).
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